Zeitung Heute : Palast der Republik versinkt in Dämmerschlaf

Der Tagesspiegel

Rund 250 Millionen Euro soll das Bauwerk noch wert sein, über 100 Millionen Mark wurden in den vergangenen Jahren in die aufwändige Asbest-Beseitigung gesteckt – aber das nutzt dem Haus nichts mehr. Der Abriss des Palastes der Republik „muss jedem klar sein“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), als er gestern offiziell den Abschlussbericht der Internationalen Expertenkommission Historische Mitte („Schlossplatzkommission“) entgegennahm. Das Schicksal des Palastes scheint endgültig besiegelt. Nur der Zeitpunkt des Abrisses hängt davon ab, was nun wirklich auf dem Schlossplatz gebaut werden soll und ob Teile des Palastes einbezogen werden können.

Ende September ist die Asbestbeseitigung abgeschlossen, und die Bundesvermögensverwaltung als Hausherrin ist fest entschlossen, das Bauwerk abzuschließen und dem Dämmerschlaf zu überlassen. Das will sie am Freitag bei einem Palast-Gespräch Kultursenator Thomas Flierl (PDS) und Mittes Baustadträtin Dorothee Dubrau klar machen, die sich für eine kulturelle Zwischennutzung einsetzen, wie es auch die Schlossplatz-Kommission empfohlen hat. Aber die Palast-Baustelle müsste gesichert werden, und mit der erforderlichen Brandsicherung müssten nach Ansicht von Bundesbauminister Kurt Bodewig (SPD) mindestens eine Million Euro aufgebracht werden, ein dreistelliger Millionenbetrag sei für die Herrichtung nötig, die Bundesvermögensverwaltung errechnete 1,8 Millionen Euro, um das Haus provisorisch zugänglich zu machen. Dazu gehöre, dass ein privater Nutzer Wasser und Strom und natürlich Miete zahlen müsste. Beide Behörden machten deutlich, dass öffentliches Geld für die kurzzeitige Wiederbelebung des Palastes nicht erwartet werden könnte, und an private Geldgeber sei angesichts der hohen Kosten wohl nicht zu denken…

Rund 82 Prozent des Asbestes sind inzwischen beseitigt, der ehemalige Volkskammersaal ist saniert, im großen Saal und im Foyer wird noch gearbeitet, die Keller sind nur im Bereich des Volkskammersaals fertig.

„Es gibt keine zwingenden städtebaulichen Gründe, den Palast der Republik abzureißen“, heißt es im Abschlussbericht der Schlossplatz-Kommission. Aber was wie eine kleine Sensation klingt, ist nur der Hinweis auf das Minderheitsvotum der Kommissionsmitglieder Peter Conradi, Franziska Eichstädt-Bohlig und Bruno Flierl. Die Mehrheit der Kommission ist der Ansicht, dass gerade städtebauliche Gründe gegen die Wiederherstellung des Palastes sprechen, und möglicherweise nur Teile, zumindest aber seine „Volkshaustradition“ in einem Neubau berücksichtigt werden sollte.

Für das andere Bauwerk am Schlossplatz, das ehemalige Staatsratsgebäude, hat die Kommission unter anderem ein Medien- und Kommunikationszentrum der Bundeszentrale für politische Bildung empfohlen. Der Regierende Bürgemeister aber machte gestern deutlich, dass er hier möglichst noch in diesem Jahr die neue Privat-Uni „European Business School“ ansiedeln will.C. v. L.

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