Zeitung Heute : Pan y Tulipán

Baskisches Hähnchen und Chili-Feigen

Elisabeth Binder

Pan y Tulipán, Winterfeldtstr. 40, Schöneberg, Telefon: 21 91 30 14, geöffnet täglich ab 10 Uhr

Doch, es gibt sie noch die Restaurants, die nach Essen riechen, ein bisschen verqualmt sind und mindestens fünf Grad zu warm. Man vermutet sie nur nicht gerade hinter dem romantischen Namen „Pan y Tulipan“, was Spanisch ist und übersetzt „Brot und Tulpe“ bedeutet. Leider ist in dem ganzen Lokal auch nirgendwo eine Tulpe zu sehen, obwohl das zu dieser Jahreszeit nahe läge.

Erst mal gehen wir hoch auf die Galerie, die wie ein gigantisches Hochbett über dem Restaurantraum schwebt. Wir quetschen uns vorbei, an einem Pärchen, das hingebungsvoll mit dem gemeinsamen Laptop redet, danken den drei etwas fülligen Spaniern, die netterweise ihre gewichtigen Taschen und Jacken für uns beiseite räumen und nehmen Platz auf einer niedrigen Bank, die immerhin mit flachen, grauen Schaumstoffkissen abgefedert ist und noch erträglicher wird, wenn man sich eines der herumliegenden bunten Kissen in den Rücken stopft.

Darauf erst mal einen Cava. Tatsächlich schleppt alsbald die Kellnerin ein Tablett die Treppe hoch, auf dem sich unter anderem zwei Gläser mit gut gekühltem, spanischen Sekt der besseren Sorte befinden (3,90 Euro). Neben weiteren Gläsern für andere Gäste stehen auf dem Tablett noch Berge von Porzellan, mit der Nummer könnte sie als Akrobatin ins Varieté gehen. Dafür dauert es, bis uns jemand wenigstens das auf dem Tisch wartende Windlicht anzündet.

Vorübergehend suchen wir Trost bei den Tapas, die es in reichhaltiger Auswahl gibt. Die runde Scheibe Schafskäse wirkt zwar eher leicht angewärmt als, wie angekündigt, gratiniert und die Chili-Feigen dazu haben noch ein kurzes Bad in „Kräutern der Provence“ genommen, aber trotzdem schmeckt der erste Teil des Tapa-Duos ganz charmant (4,20 Euro). Besser ist noch der Salat aus Chicoree, Cherrytomaten und eingelegten Sardellen, eine intelligente, trotzdem fast über die Maßen großzügig portionierte Komposition (3,20 Euro).

Sehr gut ist das Gazpacho Andaluz, die kalte Gemüsesuppe aus Tomaten, Gurken, Paprika und viel Knoblauch, wunderbar zungenmassierend in ihrer von Winzwürfeln geprägten Konsistenz. In der Hitze der Kneipenluft wirkt sie wie ein kühler Gruß aus sommerlichen Strandlokalen (3,70 Euro).

Einen ähnlichen Effekt erleben wir beim baskischen Hähnchen. Die ziemlich zarten Fleischstückchen sind in einer kräftigen Tomatensauce mit Champignons, Zwiebeln und Kartoffelwürfeln angerichtet und schmecken so, als habe eine unprätentiöse, aber kochbegabte Freundin sie bei sich zu Hause aufgetischt (9,80 Euro). Einen noch positiveren Eindruck hinterlässt das Steinbuttfilet auf warmem mallorquinischen Tomaten-Spinat-Salat. Der Fisch kommt in einer ganz leichten Panade von angenehm prägnanter Schärfe, der Salat ist exzellent, und dazu gibt es trockenen Wildreis, der noch besser wird, als wir ihn mit der eigentlich für den Fisch bestimmten Zitrone etwas ansprühen (12,80 Euro) .

Auch das Dessert hat den gemütlichen Charme des Selbstgemachten. Der Zimtapfel con Calvados besteht aus einem lustigen Berg karamellisierter Apfelspalten (3,90 Euro).

Es gibt eine erfreulich große Auswahl offener spanischer Weine. Der Wein der Woche ist ein frischer, sommerlich schmeckender Sauvignon Blanc aus dem Jahr 2003 (0,2l = 4,40 Euro). Auch der 2004er Covila, ein fruchtiger Tinto und der ebenfalls rote, im Eichenfass gereifte 2003er Epico Tempranilla sind harmonische, wenn auch nicht superpreiswerte Begleiter dieses Essens (0,2 jeweils 4,90 Euro). Schade nur, dass das bleiche Baguettebrot dem Namen des Restaurants nicht wirklich Ehre machte.

Das bis hin zum winzigsten aller Handwaschbecken eher dürftige Ambiente des Lokals passt zur Küchenrichtung eigentlich ganz gut. In der Karte wird die Entstehungsgeschichte der spanischen In-Snacks erklärt: Danach gehen die Tapas auf jene Käse- und Schinkenscheiben zurück, mit denen man früher in heißen andalusischen Kneipen die Gläser abdeckte, um den Sherry vor den vielen Insekten zu schützen.

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