Zeitung Heute : Panik kostet Milliarden

Der Tagesspiegel

Die massenpsychologischen Folgen einer durch Hämorrhagische-Fieber-Viren verursachten Epidemie in einer westlichen Großstadt lassen sich nur schwer abschätzen. Panik, Flucht, Verlassen des Arbeitsplatzes sowie ziviler Ungehorsam könnten Folgen sein.

Der Pestausbruch in der indischen Stadt Surat im Jahr 1994 ist ein Beispiel dafür, wie schwer es für Behörden ist, Epidemien zu bekämpfen, wenn ihnen weniger geglaubt wird als den Medien. Die ersten Fälle traten in einem Viertel auf, in dem Diamanten geschliffen werden. Die Medien berichteten von einem mysteriösen Fieber bei Diamantenschleifern, das nicht behandelbar sei und immer zum Tode führe. Möglicherweise handle es sich um die Pest.

Binnen weniger Stunden brach Panik aus: Menschen verließen fluchtartig die Stadt, Autos verstopften die Straßen, Busse und Züge waren überfüllt und der Verkehr brach zusammen. Ärzte und das medizinische Personal – auch aus den öffentlichen Krankenhäusern – waren unter den ersten, die der „Peststadt“ den Rücken kehrten. Bis die Behörden die Lage unter Kontrolle hatten, war eine halbe Million Bürger aus der Stadt geflohen. Die Folgen sind kaum vorstellbar, wenn einige infiziert gewesen wären.

Wirtschaftsfachleute schätzen, dass diese Pestepidemie Indien rund zwei Milliarden Dollar an direkten Schäden sowie an Produktionsausfällen kostete. Wie viele Menschen tatsächlich an der Pest verstarben, ist bis heute nicht geklärt. Mit Sicherheit waren es jedoch weniger als 50. hfm

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