Zeitung Heute : Pantanal: Der größte Schwamm der Erde

C. D. Goerdeler

Auf Antrag Brasiliens hat die Unesco jetzt den größten Süßwassersumpf der Erde, den Pantanal, zur Welt-Biosphäre erklärt. Damit dürfte das Gebiet in Westbrasilien, an der Grenze zu Bolivien und Paraguay, in absehbarere Zeit mehr Mittel für den Naturschutz und die Förderung von Ökotourismus erhalten - und der Plan, eine Wasserstraße durch den Pantanal zu bauen, dürfte endgültig ad acta gelegt sein.

Die Satellitenbilder zeigen die Landschaft wie die Nahaufnahme eines Lungenflügels, der mit abertausenden Adern und Äderchen durchsetzt ist. Naturforscher sprechen vom "größten Schwamm der Erde", der die Wassermassen (178 Milliarden Liter pro Stunde) aus den Anden und dem Herzen Südamerikas ein halbes Jahr lang aufsaugt und sie ebenso langsam wieder abgibt, fein dosiert mit der Geschindigkeit von 1200 Kilometern in 180 Tagen - so meldet Buenos Aires am Rio de la Plata, dreitausend Kilometer südlich, nicht "Land unter".

Dieser Schwamm heißt Pantanal, und er ist so groß wie Portugal, Holland, Belgien und die Schweiz zusammengenommen. Er umfasst die westbrasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso und Mato Grosso do Sul sowie Randgebiete von Bolivien und Paraguay.

Jedes Jahr lagern die Wassermassen im Pantanal Sedimente ab, die so schwer wie zehn Cheops-Pyramiden wiegen: Dünger für die Pflanzen, Nahrung für die Süßwasser-Fische, von denen man 263 Arten gezählt hat (in Europa sind es knapp 200). Wenn die Regenzeit endet und die Trockenzeit im Juli beginnt, aus Seen und Lagunen langsam Sümpfe oder Inseln werden, beginnt das große Fressen, zu dem selbst aus dem 10 000 Kilometer entfernten Kanada die Zugvögel einfallen. Wasserschweine, Kaimane, Ottern, Leoparden, Reiher und Schuhschnabel (656 Vogelarten, darunter der seltene blaue Ara) streiten sich um die schuppige Beute, die in die großen Wasseradern zu fliehen sucht. Das ist die beste Zeit, um den Pantanal zu besuchen.

Dass dieser Garten Eden mehr und mehr dem Natur-Tourismus erschlossen wird, hat viele Ursachen. Die alten Fazendas (Rinderfarmen), einst so ausgedehnt wie europäische Kleinstaaten und mit Herden von mehreren tausend Stück, sind durch Erbteilung geschrumpft und unrentabel geworden. Viele Fazendeiros wandeln ihre Fazendas in Ferienhotels um - obgleich der Zugang zu Lande oder zu Wasser oder gar durch die Luft immer noch ein kleines Abenteuer ist. Zweitens wächst der Bedarf nach naturnahem Tourismus. Und drittens haben zahlreiche globale Naturschutz- Organisationen, darunter der WWF, erkannt, dass der Öko-Tourismus ein sinnvolles Instrument darstellt, einen solchen weltweit einmaligen Biotop wie den Pantanal, der zum größeren Teil seiner 230 000 Quadratkilometer Naturschutzgebiet ist, zu erhalten.

Alles in allem mögen 500 Pensionen, Landhotels und Hotel-Schiffe im Pantanal vorhanden sein - der weitaus größte Teil davon sind rustikale Herbergen mit wenigen einfachen Zimmern. Der Pantanal ist menschenleer: Auf einen ständigen Bewohner entfallen statistisch sechs Rinder und 40 Krokodile (Kaimane).

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