Zeitung Heute : Panzerkreuzer Pelorus

Roman Arkadjewitsch Abramowitsch besitzt die zehntgrößte Yacht der Welt – und den FC Chelsea. Bei der WM liegt das Schiff in Lübeck an der Pier. Doch Räuber, aufgepasst! Das Raketenabwehrsystem ist aktiviert.

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Der Mann hat unter anderem eine Boeing, eine Erstligamannschaft und eine Yacht. Letztere hatte vor Tagen festgemacht; einen Tag vor WM-Beginn schwebte dann auch der vermutlich reichste Fußballfan der Welt, Roman Arkadjewitsch Abramowitsch, per Flugzeug ein.

Die 115-Meter-Luxusyacht gilt als neue Sehenswürdigkeit Lübecks. Während sonst die Faustregel für Milliardärsyachten „Jeder Meter eine Million“ lautet, kostete die „Pelorus“ satte 254 Millionen Euro; gebaut von der Bremer Lürssen-Werft. Im hohen Preis inbegriffen ist absolute Verschwiegenheit der Werft über Auftraggeber und Ausstattung. Fans diskutieren im Internet darüber, ob die Pelorus mit den beiden Wärtsila-Dieselturbinen nun 18 oder 20 Seemeilen („Knoten“) läuft, also 33 oder 37 Stundenkilometer. Eineinhalb Jahre nach Kauf der Yacht gab der in London lebende Fußballfan weitere zwölf Millionen bei einer „Modernisierung“ auf der Hamburger Werft Blohm & Voss aus, für ein Hubschrauber-Landedeck.

Die Yacht mit 46 Besatzungsmitgliedern liegt in Lübeck, weil Abramowitsch Fußball gucken will. Ein Sprecher der Stadt bestätigt, dass der Gast sehr wohl mit seinem Hubschrauber auf seiner Yacht landen darf. Wie es heißt, hasst der Milliardär Hotels, den Liegeplatz in Lübeck hat er für die kompletten vier WM-Wochen gemietet. Auch die Europameisterschaft in Portugal hatte der Russe auf seinen Yachten verfolgt, für Formel-1-Rennen macht Abramowitsch in Monaco fest.

Ruhe will der Milliardär haben, zwei Meter hohe Gitterzäune riegeln den „Behn-Kai“ direkt gegenüber der idyllischen Altstadt ab, ein Wachdienst verscheucht Neugierige. Gerüchteweise will Abramowitsch noch mit seiner Zweityacht „Le Grand Bleu“ auf der Lübecker Trave festmachen. „Platz ist genug da“, hieß es bei der Stadtverwaltung. Eingetütet wurde das Geschäft im Februar dieses Jahres auf der Kreuzfahrtmesse in Miami, als Abramowitsch-Abgesandte am Stand der Lübecker Tourismuswerber vorsprachen.

Nun liegt statt der erwarteten Kreuzfahrtschiffe eine Yacht für einen Fußballfan, seine Frau und seine fünf Kinder an der Pier. Die Yachten sind mit schusssicheren Scheiben, einem Raketenabwehrsystem und einem Mini-U-Boot ausgestattet. Einige Zahlen: Die Pelorus ist mit exakt 114,985 Metern die zehntgrößte Yacht der Welt, vor Abramowitsch liegen nur Microsoft-Mitgründer Allen und einige Ölscheichs. Direkt dahinter, auf Platz elf der Megayachten, liegt wieder Abramowitsch, mit der 108 Meter langen „Le Grand Bleu“. Die „Ecstasea“ ist nur 85 Meter lang, dafür aber, dank einer 40 000-PS-Gasturbine, extrem schnell. Zum Vergleich: Ein gleich großer Frachter ist mit 4000 PS gut motorisiert.

Der 39-Jährige steht mit einem Vermögen von 14,1 Milliarden Euro auf Platz elf der Liste der reichsten Menschen der Welt. Für den FC Chelsea soll er 2003 mehr als 200 Millionen Euro gezahlt haben. Nicht ins Gewicht fallen da die fünf Knöllchen über je zehn Euro, welche die Wasserschutzpolizei der Pelorus-Crew aufgebrummt hat. Die war mit Jet-Ski über das Trave-Fahrwasser gebraust. Jörn Hasselmann

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