Zeitung Heute : Papst: Holocaust-Leugner muss widerrufen

Vatikan reagiert auf scharfe Kritik im Streit um Bischof Williamson / Mixa wettert gegen Merkel

Paul Kreiner

Rom/Berlin - Nach harscher Kritik aus Kirche und Politik hat der Papst den Traditionalisten-Bischof Richard Williamson zum Widerruf seiner Holocaust- Leugnung aufgerufen. Dies teilte der Vatikan am Mittwoch mit. In einer sehr scharf formulierten Erklärung stellt der Vatikan Williamson vor die Alternative, sich entweder „von seinen Sätzen zur Schoah in absolut unzweideutiger und öffentlicher Weise zu distanzieren“ oder nicht „zu den bischöflichen Funktionen zugelassen“ zu werden. „Die Äußerungen von Monsignore Williamson sind absolut inakzeptabel und werden vom Papst abgelehnt.“

Weiter heißt es, Papst Benedikt XVI. sei nicht bekannt gewesen, dass Williamson den Völkermord der Nationalsozialisten an sechs Millionen europäischen Juden geleugnet habe. Der deutsche Pontifex habe mit der Rücknahme der Exkommunikation von vier Traditionalisten-Bischöfen im Sinne der Einheit der Kirche reagiert und wohlwollend auf wiederholte Nachfragen der Priesterbruderschaft St. Pius reagiert. Diese Teilrehabilitierung habe die vier von einer „schweren Strafe nach kanonischem Recht befreit“. Im Umkehrschluss dürfte die Erklärung des Vatikans bedeuten, dass die anderen drei damit rechnen können, als ordentliche Bischöfe in die katholische Kirche eingegliedert zu werden.

Bei seiner Generalaudienz am Mittwoch ging der Papst nicht auf den Streit um Williamson ein. Am Dienstag hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Benedikt zu einer Klarstellung aufgefordert. Durch die Entscheidung des Papstes und des Vatikans sei der Eindruck entstanden, dass es eine Leugnung des Holocausts geben könnte. Dies könne so nicht stehenbleiben. Der Vatikan hatte sich Merkels Kritik zunächst verbeten und erklärt, die Haltung des Papstes sei eindeutig und bedürfe keiner Klarstellung.

Während der Zentralrat der Juden in Deutschland, SPD-Chef Franz Müntefering und SPD-Kanzlerkandidat Frank- Walter Steinmeier die Position der Kanzlerin unterstützten, kritisierte der Augsburger Bischof Walter Mixa die Kanzlerin scharf. Er sprach von einem „politischen und diplomatischen Fehlgriff“ Merkels. „Die Haltung des Papstes zum Thema Holocaust und seine unverbrüchliche Sympathie für die Juden als die älteren Brüder der Christen ist sehr deutlich ausgedrückt worden“, betonte er. In Angelegenheiten der katholischen Kirche müsse man sich von einer deutschen Regierungschefin mehr Sensibilität wünschen. Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx zeigte sich „erstaunt“ über Merkels Äußerung. Benedikt habe schon in der Vorwoche „sehr deutlich Stellung genommen“. Marx betonte, Holocaust-Leugner und Antisemiten hätten in der Kirche keinen Platz. Der Berliner Erzbischof, Kardinal Georg Sterzinsky, forderte dagegen eine Neubewertung des Falls durch den Vatikan. „Eine Überprüfung des Vorgangs erscheint mir unumgänglich“, sagte er. Mehrere deutsche katholische Jugendverbände äußerten sich im Gespräch mit dem Tagesspiegel erschüttert über den Vatikan . Die Entwicklung der Kirche gehe in die falsche Richtung, hieß es. mit dpa/bbl

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