Zeitung Heute : Papst schweigt zum Missbrauch

Canisius-Geschädigte kritisieren Runden Tisch

Rom/Berlin - Papst Benedikt XVI. schweigt weiter zum sexuellen Missbrauch an katholischen Einrichtungen in Deutschland. Beim Angelusgebet in Rom ging er mit keinem Wort auf den Skandal ein. Es war der erste öffentliche Auftritt des Papstes, nachdem am Freitag eine Entscheidung aus Joseph Ratzingers Amtszeit als Münchner Erzbischof (1977 bis 1982) bekannt geworden war. Der spätere Papst hatte 1980 der Versetzung eines Priesters nach München zugestimmt, der zuvor einen Jungen sexuell missbraucht haben soll. Später wurde der Priester wegen erneuten sexuellen Missbrauchs verurteilt.

Der „Spiegel“ berichtete, Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen, die der Papst-Bruder Georg Ratzinger von 1964 bis 1994 leitete, habe es bis in die 90er Jahre gegeben. Ein Ex-Schüler sagte, er sei in dem Internat bis 1992 von älteren Schülern vergewaltigt worden.

Der von Familienministerin Kristina Schröder und Bildungsministerin Annette Schavan (beide CDU) initiierte Runde Tisch zur Aufarbeitung des Missbrauchs in Erziehungseinrichtungen über die katholische Kirche hinaus soll am 23. April erstmals tagen. Weder dieser noch der von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) eingeladene Runde Tisch, der sich nur mit Übergriffen in katholischen Einrichtungen beschäftigen soll, reicht den Missbrauchsopfern des Berliner Canisius-Kollegs, die von der Anwältin Manuela Groll vertreten werden. Die Gruppe verlangt „umfassende Aufklärung, Zugang zu Akten und finanzielle Genugtuung“. In einer Erklärung heißt es: „Wir möchten, dass die Vertreter der Kirche uns endlich zuhören, statt immer gleich ,Entschuldigung‘ zu rufen und uns so erneut ruhig zu stellen.“ Die Justizministerin selbst und der grüne Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit haben am Wochenende zudem eine unabhängige Untersuchungskommission ins Gespräch gebracht. Das fordert M.Z. für die Canisius-Opfer ebenfalls. dpa/Tsp

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