Papstverehrung : Der heilige Franz

Jo mei, der Kaiser, der Firlefranz, der Franz-der-kann’s-Franz, der Weihnachts-Franz und Weißbier-Franz,

 jo mei, der Weltmeister, der Sommermärchenmacher, Herrschaftszeiten, der Lichtgestalt-Franz, sapperlot, der Was- er-anfasst-gelingt-immer-Franz, jo mei und sakradi, der würde auch einen passablen Dalai Lama abgeben und einen prima Papst. Der Franz. Aber letzteren Job hat ja nun einmal der andere bayerische Sohn inne, der Joseph Aloisius Ratzinger, der Benedikt XVI. Die Voraussetzung indes hätte der Franz. Der war nämlich als kleiner Bub auch Ministrant, genau wie Joseph Aloisius. Süß, gell? Im Jahr 2005, da war der Franz gerade der Sommermärchenmacher-Franz, sind sich die beiden Messdiener mal begegnet und haben Wimpel getauscht.

Seitdem ist der Franz auch noch sehr gottgefällig, Kruzitürken, der Gottgefälligkeits-Franz, der betet täglich das „Vaterunser“. Das hat er in einem Buch kundgetan, das heute erscheint und in dem sich Prominente, und das ist der Franz schließlich, über den Papst äußern. „Die Ausstrahlung, die dieser Mann hat, diese innere Ruhe und Würde und seine Herzlichkeit – das hat mich stark beeindruckt“, sagt Beckenbauer über den Papst. Umgekehrt hätte es aber auch gepasst. Die Sache mit dem Wimpeltausch ist übrigens nicht erfunden. Der Franz hat dem Kollegen tatsächlich den offiziellen Wimpel zur späteren Weltmeisterschaft überreicht. Es ist nur verständlich, dass diese WM mit Gottes Segen zum Sommermärchen geriet. Von wegen der Franz hat’s gemacht.

Am vergangenen Dienstag nun stellte sich auch in einer anderen Sache heraus, dass nicht immer der Franz dahintersteckt, wenn etwas besonders gut gelingt. Da staunte der TV-Reporter Johannes Baptist Kerner über die tolle Stimmung und die Lautstärke in der Münchner Arena nach dem Sieg über Basel. „Jo mei, des konn sein, doss do da Platzwoart a bisserl aufdreht hot …“, sagte der Franz daraufhin. Das heißt, er plapperte halt, der Platzwoart-Franz. Und verriet dabei, dass diese überschäumende Stimmung nur eine Schimäre ist. „Wenn es zu leise ist, dann dreht man oben in der Schaltzentrale ein bisschen auf und schon hat man eine ganz andere Stimmung“, sagte der Franz, der Schimären- Franz. Jo mei, is denn heit scho nix mehr heilig.Helmut Schümann

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