Zeitung Heute : Paradoxe Beziehung

Was das Stockholm-Syndrom ist

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Es war im August 1973, als eine Gruppe die Sveriges Kreditbank in Stockholm betrat. Mit Maschinengewehren verbreitete sie Angst und Schrecken. Eine Drama begann, das 131 Stunden anhalten sollte. Während dieser fünf Tage mussten die vier Geiseln ständig damit rechnen, erschossen zu werden. Damals beobachtete man erstmals ein seltsames Phänomen, das man seither als „Stockholm-Syndrom“ bezeichnet. Statt mit Abscheu und Widerwille auf die Täter zu reagieren, trat bei den Opfern eher das Umgekehrte ein: Sie hatten mehr Angst vor der Polizei, als vor den Entführern. Nach der Geiselnahme besuchten sie die Täter im Gefängnis. Eines der Opfer ließ sich sogar von ihrem Mann scheiden und heiratete einen ihrer Entführer.

Wie kann man das verstehen? Während einer längeren Entführung befinden sich Täter und Opfer in einer immer ähnlicheren Situation: Beide versuchen mit heiler Haut wieder aus der Lage herauszukommen. Den Opfern nützt es, sich bei den Tätern anzubiedern, ihnen möglichst zu gefallen, um so ihr eigenes Überleben zu sichern. So kann paradoxerweise eine intime Bindung entstehen. bas

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