Paralympics : Mit Schwung nach Kanada

Im nächsten Jahr starten die nächsten Paralympics in der kanadischen Stadt Vancouver. Das Sportevent in Berlin macht schon jetzt Lust darauf. Auch all jene, die Behindertensportler noch nie live erlebt haben, können auf dem Pariser Platz ein Gefühl für die Faszination dieses Sportes bekommen.

Annette Kögel
286417_0_6ff360b8.jpg
Der Deutsche Gerd Schönfelder auf dem Weg zur Goldmedaille im Riesenslalom in Turin 2006. Jetzt trainiert der Armamputierte für...Foto: dpa

So was geht nicht überall auf der Welt, aber bei den Winter-Paralympics vom 12. bis 21. März 2010 werden viele Athleten, Betreuer und Organisatoren das Naturschauspiel erleben. Eben noch steht man in Whistler, oben in den Bergen, in schneeweißem Panorama. Gut zwei Autostunden später wiederum schweift der Blick unten in Vancouver über den Pazifik, der türkisblaue Ozean liegt einem zu Füßen.

Es sollen freundliche Spiele werden, die Winterspiele der Leistungssportler mit Behinderungen, für die das Internationale Paralympische Komitee mit seinem „International Paralympic Day“ in Berlin am Brandenburger Tor am Sonnabend schon mal wirbt. All jene, die Behindertensportler noch nie live erlebt haben, können am 11. Juli auf dem Pariser Platz ein Gefühl dafür bekommen, welche Faszination der paralympische Sport besitzt. Mögen Hightech-Prothesen und Leistungssportrollstühle auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken – die Athleten sind genauso ehrgeizig, trainingsfixiert und sportversessen wie nichtbehinderte Teamkameraden.

In einigen Ländern, beispielsweise in Australien, Neuseeland, in Skandinavien und auch in Kanada, gelten Behindertensportler längst nicht mehr als Vertreter einer Nischenbranche. Sie sind landesweit bekannte Topstars, die teils von ihrem Sport leben. Die Kanadierin Chantal Peticlec etwa ist nicht nur als Rennrollstuhlfahrerin bekannt, sie machte sich auch als Fernsehmoderatorin einen Namen und ist Testimonial-Werbegesicht für den Gatorade-Sportdrink.

Natürlich ist in Kanada noch einiges zu tun. Hauptförderer wie General Motors Canada und Air Canada kämpfen sich durch unternehmerisch harte Zeiten – der Etat der Winterparalympics umfasst rund 80 Millionen kanadische Dollar. 600 Sportler aus 40 Nationen sollen kommen. Die Sportstätten sind so gut wie fertiggestellt, nun kommen die Athletendörfer an die Reihe. Paralympics-Expertin Katarina Witt hat kürzlich gesagt, ihr sei aufgefallen, dass Olympische und Paralympische Spiele vom Organisationskomitee Vanoc wirklich in einem Atemzug genannt werden. Schon auf deren Homepage finden sich beide Events gleichberechtigt nebeneinander.

Die Organisatoren denken mit. Es wird in Whistler, dem Austragungsort der alpinen und nordischen Skiwettkämpfe, einen offiziellen Platz für die Medaillenzeremonie geben. Die Sportler brauchen dann nicht extra mit dem Auto bis nach Vancouver gebracht zu werden, wo die Wettkämpfe in Sledge-Eishockey und Rollstuhl-Curling stattfinden. Obwohl – der Ausblick lohnt. Annette Kögel



Alles zu Paralympics im Internet:

www.tagesspiegel.de/paralympics

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar