Zeitung Heute : Parkett ist der Klassiker der „Wood Couture“

Fertigparkette mit Klickverbindungen liegen im Trend. Aufwändige Verlege- und Reparaturarbeiten sollte man Experten überlassen

Lutz Steinbrück

Wer schon mal einen Parkettfußboden ohne Hilfe vom Fach verlegt hat, weiß: Das ist kein Kinderspiel. „Ich habe Bekannte, die das selbst gemacht haben. So würde ich es allerdings nicht haben wollen“, erzählt Lothar Beckmann. Der Redakteur der Fachzeitschrift „Test“ kennt sich aus, Haushalt und Garten sind sein Metier. Die Welt des Parketts ist reich an Farben, Mustern und Materialien. Dabei ist jeder Parkettfußboden individuell an den Raum anzupassen und braucht eine spezielle Behandlung.

Will man sich ein neues Parkett ins Haus holen, gibt es die Wahl zwischen Massiv- und Fertigparkettböden. Letztere sind aus echtem Holz wie Buche oder Eiche. Sie sind um die zwölf Millimeter dick, inklusive einer knapp vier Millimeter dicken Nutzschicht. Der Vorteil: Die Böden sind leichter zu verlegen als Massivholzparkett. „Beim Fertigparkett haben wir in der Regel vier Schichten“, erklärt Beckmann. „Die Oberfläche bildet eine Lackversiegelung, darunter befinden sich die Holznutzschicht und eine Mittellage aus Vollholz. Ganz unten ist ein Gegenzug mit einer Klickverbindung.“ Sie sorgt für einfache Handhabung, denn damit lassen sich die Parkett-Teile ineinander schieben. Eine Verbindung, die ohne Kleber hält, so dass man sich auch Probleme mit Lösungsmitteln spart. Deshalb ist Fertigparkett sofort begehbar. Kein Wunder, dass Klicken statt Kleben der Trend unter Heimwerkern ist, wie Beckmann betont.

Ist ein Teil beschädigt, lässt es sich herausnehmen und ersetzen. „Es handelt sich dabei nicht um ein Parkett zweiter Klasse“, so der 58-Jährige weiter. Das beweist ein Test der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2005. So gibt es im Vergleich zu Massivholz keinen schnelleren Abrieb der Oberfläche, wie ihn etwa Stuhlrollen hervorrufen können. Die Versiegelung sorgt dafür, dass Fertigparkette unempfindlich auf Feuchtigkeit und Flecken reagieren.

Beim Verlegen von Massivholzparketten hilft kein Klick, denn das genormte 22 Millimeter dicke Vollholz wird mit Parkettkleber geklebt. Beckmann empfiehlt, diesen Job Fachleuten zu überlassen. Jens Rachow ist so ein Fachmann. Der Fußbodenleger aus Hellersdorf hat seit 1996 einen eigenen Betrieb. „Die Arbeit mit dem Parkettkleber macht es in Mietwohnungen schwieriger, Vollholz zu verlegen“, sagt er. „Da bleiben leicht Spuren zurück.“ Wer es dennoch auf eigene Faust wagt, sollte ein paar Punkte beachten. „Am besten, man lässt Massivholz vor dem Verlegen eine Woche im neuen Raum liegen, damit es sich akklimatisieren kann“, erklärt Rachow. Das Holz braucht eine gewisse Feuchte, um Temperaturschwankungen im Raum auszuhalten – zu messen mit Holzfeuchtigkeitsmessgeräten.

Auch ist es ratsam, Teppiche nicht als Unterlage auf dem Boden zu belassen, sondern vor dem Verlegen zu entfernen: „Im Teppich sind oft Milben. Unterm Parkett oder Laminat wird der Teppich kuschelig und feucht, ein idealer Nährboden für Schimmel“, rät Rachow ab. Ohnehin sollte man die Beschaffenheit des vorherigen Belags prüfen, ehe man Hand anlegt. Mögliche Altlasten wie giftige Kleber, PVC-Böden oder Asbestplatten müssen entfernt werden. „PVC- und Asbest-Sanierungen sollte man unbedingt einer Spezialfirma überlassen“, so Beckmann.

Für das Abschleifen vorhandener Holzböden leihen sich Heimwerker am besten Parkettschleifgeräte mit Staubabsaugung. „Das Feinstaub-Problem ist beim Abschleifen dringend zu beachten“, sagt Beckmann. Leihgeräte sollten einen funktionierenden Absaugmechanismus haben. Um Gesundheitsrisiken auszuschließen, sollte man einen Atemschutz tragen und anschließend gut lüften. Darüber hinaus ist es ratsam, nicht mit dem Schleifpapier zu knausern.

Zwei bis drei Tage nach dem Verlegen des Massivholzparketts folgt die Oberflächenbehandlung. „Für Lackböden gilt: Nach dem Lackieren ist es gut, keine chemischen Pflegemittel oder Fette zu benutzen, sondern mit einem Nebeltuch zu wischen, dass mit Wasser befeuchtet ist“, erklärt Rachow. Denn Pflegemittel muss man später wieder herunter schleifen. Für geölte Oberflächen dagegen gibt es produktspezifische Pflegeöle.

Ist das Parkett verlegt, können Schäden zu Ärger führen. Leichte Kratzer lassen sich mit Möbelpolitur entfernen. Für Dellen und Druckstellen eignet sich ein feuchtes Tuch, mit dem man die Schadstelle gezielt befeuchtet. Anschließend ist die Stelle mit einem Bügeleisen glatt zu streichen, damit die Holzfasern wieder aufquellen. Wenn jedoch Feuchtigkeit das Parkett ruiniert, hilft nur abschleifen und neu versiegeln.

Rachow bemerkt, dass viele Kunden unregelmäßige Schiffsböden aus Vollholz bevorzugen – wie in einer Turnhalle. Das sind 50 x 7cm-Längsstäbe. Dennoch ist der Trend nicht die Regel: „Die meisten kaufen sich lieber günstigeres Laminat oder Fertigparkett. Das ist leichter, macht weder Dreck noch Staub.“

Weitere Informationen unter:

www.ratgeberzentrale.de

www.test.de

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