Zeitung Heute : Parkinson: Kulturen: War ein Grippe-Virus der Auslöser?

Nie zuvor hat eine lähmende Nervenkrankheit so viele Menschen bewegt. Die Rede ist von Hollywoods Parkinson-Drama "Zeit des Erwachens - Awakening", das 1990 in die Kinos kam und auf dem gleichnamigen autobiographischen Roman des Neurologen Oliver Sacks basiert. Der avancierte darüber zum Bestseller-Autor. Die mit Robert De Niro und Robin Williams verfilmte Geschichte beleuchtet das Schicksal einer Gruppe von Menschen, die als Spätfolge einer seuchenartigen Virus-Epidemie ein so genanntes "postenzephalitisches Parkinson-Syndrom" entwickelten.

Das postenzephalitische Parkinson-Syndrom ging aus der "Enzephalitis epidemica", der europäischen Schlafkrankheit hervor, die 1919-1927 fünf Millionen Menschen auf der ganzen Welt erfasste. Über die Hälfte der Personen, die an Enzephalitis erkrankt waren, bekamen später ein Parkinson-Syndrom, das einen langsamen Verlauf hatte. Das Erkrankungsalter lag im Durchschnitt bei 27 Jahren. Bis heute steht das Influenza (Grippe-)Virus als Erreger dieser furchtbaren Epidemie unter Verdacht.

Bei vielen der Betroffenen verschärfte sich das Beschwerdebild zu einem schweren, "katatonen" Starrezustand. Oliver Sacks machte in den 60ern als junger Arzt in New York die beglückende Erfahrung, dass es möglich war, die teilweise seit Jahrzehnten Entrückten mit dem neu entwickelten Medikament L-Dopa aus ihrem "Blackout" zu befreien. Umso entsetzter war er, als er feststellen musste, dass die Substanz, die bis heute als Goldstandard bei der Parkinson-Therapie dient, nach einer Weile ihre Wirksamkeit verlor. Brillant die Darstellung de Niros, wie er in "Zeit des Erwachens" den kurzen Wiedereintritt in das Leben und dann das tragische Zurückgleiten in die Erstarrung vor Augen führt.

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