Zeitung Heute : Partner fragen

Claudia von Salzen

Putin lehnt eine öffentliche Untersuchung des Geiseldramas ab . Wenn es sich um internationalen Terror handelt, wäre es dann nicht das Recht des Auslands, informiert zu werden?

Der russische Präsident Wladimir Putin will die Tragödie von Beslan nur intern untersuchen lassen. Den Angehörigen der Opfer reicht das nicht. Sie planen eine eigene Untersuchung. Auch im Ausland gibt es nun Kritik an der russischen Informationspolitik. Zu viele Fragen sind offen: Warum wurde die Zahl der Geiseln und später die Zahl der Opfer viel zu niedrig angegeben? Warum hat keiner der Geretteten von arabischen Terroristen berichtet? Hatten die Verhandlungen, zu denen Putin angeblich bereit war, überhaupt begonnen, als die Situation eskalierte? War der Sturm auf die Schule geplant oder wurden die Sicherheitskräfte von den Ereignissen überrumpelt? Antworten auf diese Fragen gibt es nicht. Und durch Putins Verzicht auf eine öffentliche Untersuchung wächst die Gefahr, dass diese Fragen unbeantwortet bleiben.

Das stößt auch bei Russlands Partnern auf Kritik. Sogar in Frankreich, das nach Deutschland Russlands engster Verbündeter in Europa ist. Premier Jean-Pierre Raffarin verlangte von Russland „alle nötigen Informationen“ über das katastrophale Ende des Geiseldramas. Ähnlich hatte sich der niederländische Außenminister Bernard Bot für die EU-Ratspräsidentschaft geäußert: „Wir alle würden gern von den russischen Behörden wissen, wie diese Tragödie passieren konnte.“

Das Außenministerium in Moskau wies dies als „abscheulich“ zurück. Eine vergleichbare Reaktion blieb nach der Äußerung Raffarins aus.

Ein Recht, gar einen Anspruch auf Informationen haben die Europäer nicht. Doch Raffarin hat deutlich gemacht, warum diese Auskünfte unverzichtbar sind: Es geht um die künftige Zusammenarbeit mit Russland. Der Kreml hat immer wieder betont, dass das Geiseldrama in Beslan das Werk des internationalen Terrors sei.

Von den Europäern verlangt er, dass sie sich im Kampf gegen den Terror an die Seite Russlands stellen. Dann dürfte Moskau aber seinen Partnern keine Informationen über Terrorakte vorenthalten. Auch nicht, wenn die Untersuchungsergebnisse schmerzhaft sein könnten, weil sie eigene Fehler aufzeigen. Erst wenn die Wahrheit auf dem Tisch liegt, kann man darüber reden, auf welche Weise Terrorakte wie der in Beslan gemeinsam verhindert werden können. Wie diese Art von Aufklärung aussehen kann, haben die USA mit ihrem Bericht zum 11. September gezeigt.

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