Zeitung Heute : "Paszport": Mein Mann, der Feind

Susanna Nieder

Männer sind Schweine - dieses Thema hatten wir schon in Cathérine Breillats Wettbewerbsbeitrag "A ma soeur!", in dem von Männern Lüge und Gewalt ausgehen. Und in Léa Pools "Lost and Delirious" (Panorama) zertrampeln Väter zarte Mädchenseelen. Klar gibt es nicht genug Verständnis zwischen Frauen und Männern - aber gerade deshalb kann diese Betrachtungsweise einseitig wirken.

Wenn allerdings ein Osteuropäer den Mann als Zerstörer darstellt, hat das einen ganz anderen Hintergrund. In Ländern, wo ein Mann schon als gut gilt, wenn er nicht säuft, wo kein Amt und kein Mensch hilft, wenn Frauen geprügelt werden, ist ein saufender Mann eine archaische Bedrohung.

Jóska (Gergely Kocsis) also säuft. Deshalb schreibt seine Schwester in seinem Namen einer möglichen Braut in der Ukraine. Elisaveta (Enikö Börcsök) will unbedingt heiraten, sie ist schon 33. Naiv und aufgeregt lässt sie sich von Jóska nach Ungarn entführen. Besser als in ihrer ukrainischen Ziegelfabrik ist das allemal, denkt sie. Und hat stattdessen Gewalt und Willkür vor sich.

Péter Gothár erzählt die Geschichte eines Daseins, in dem sich das Gute ums Verrecken nicht durchsetzen lässt, in unaufgeregten Sepiatönen. Elisavetas Frohsinn vergeht, Verzweiflung packt sie. Schließlich haut sie mit der kleinen Tochter Anetschka (Éva Fehér) ab - nicht nach Hause, weil man sie dort ohne Pass nicht hinlässt. Aber weg, immerhin. Wenn Männer Schweine sind, muss es eben ohne gehen. Das ist ein Jammer - und ein Triumph.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar