Zeitung Heute : Patente Forscher: Wissenschaftler erklären ihre Erfindungen

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W. Ted Masselink, Professor für experimentelle Physik: Wir haben gerade einen Laser zum Patent angemeldet, der Krankheiten sozusagen riechen kann. Manche Krankheiten sind charakterisiert durch gasförmige Moleküle, die der Kranke produziert. Diese Moleküle weist der Laser in kleinsten Mengen nach. An der Menge und Wellenlänge des absorbierten Laserlichtes kann man erkennen, um welches Gas es sich handeln muss – und damit, um welche Krankheit. Bei einer LichtWellenlänge im Bereich von vier Mikrometern klappt der Nachweis wichtiger Gase besonders gut. Der von uns entwickelte Quantenkaskadenlaser erzeugt dieses Licht erstmals mit einem Verfahren, das einen kostengünstigen Einsatz erlaubt.

Elke Dittmann, Juniorprofessorin für molekulare Ökologie: Wer hätte gedacht, dass Blaualgen, die im Spätsommer so eklig die Gewässer grün färben, die Medizin voranbringen? Bei meiner Beschäftigung mit toxischen Cyanobakterien – der Fachbegriff für Blaualgen – bin ich auf ein Protein gestoßen, das Viruserkrankungen verhindern könnte. Dessen DNA-Sequenz haben wir zum Patent angemeldet. Das Protein wird von Zuckermolekülen an der Zelloberfläche stark angezogen. Auf der Oberfläche von Viren sitzen ähnliche Zuckermoleküle, mit deren Hilfe sie an ihre Wirtszellen im Körper andocken. Schwimmt das Virus um die Wirtszelle und das Protein, ist das Protein schneller am Virus, da es vom Zucker stärker angezogen wird. Das Virus ist so für die Wirtszelle blockiert.

Georg Duda, Professor für Unfallchirurgie: Patienten bevorzugen minimal-invasive chirurgische Eingriffe: In einer Gewebeuntersuchung führt der Chirurg nach zwei kleinen Schnitten im Körper ein kleines Diagnoseinstrument ein. Der Chirurg konnte dabei das kranke Gewebe bisher nicht ertasten. Mit unserem patentierten Verfahren fühlt der Chirurg das Gewebe wieder. Das eingeführte Diagnoseinstrument bestimmt optisch die Gewebedeformation. Dadurch wird ein Signal an ein zweites Gerät übermittelt, das am OP-Tisch befestigt ist. Es ist mit Flüssigkeit gefüllt und funktioniert wie ein Simulator: Abhängig von der Härte des gemessenen Gewebes ist es mal mehr, mal weniger prall: In genau der Form, die das untersuchte Gewebe hat.

Alexander C. Filippou, Professor für anorganische Chemie: Dass ein Airbag sich nicht einfach mit Luft aufbläst, sondern sich mit Stickstoff binnen Millisekunden füllt, wissen wohl nur wenige. Dieser Vorgang wird im so genannten Gasgenerator ausgelöst. Dort wird ein Treibstoff zersetzt, der den Stickstoff beim Aufprall eines Fahrzeuges freisetzt. Einen wesentlichen Bestandteil des Treibstoffes bildet derzeit Natriumazid. Mit unserem patentierten Verfahren kann man neuartige Siliziumpolyazide herstellen, die eine ähnliche Wirkung wie Natriumazid haben. Wir hoffen, durch den Einsatz des in der Natur weit verbreiteten Siliziums umweltfreundlichere und kostengünstigere Treibstoffe für viele Technikbereiche zu entwickeln.

Fotos: Bernd Prusowski

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