Zeitung Heute : Patient in Teilzeit

Tageskliniken schließen eine Versorgungslücke.

Rieke Alten

Durch Neuerungen in den medizinischen Verfahrensweisen mit der Möglichkeit, Patienten frühzeitiger aus der stationären Versorgung entlassen zu können, sind medizinische Bereiche entstanden, die durch die gängigen Betreuungs- und Behandlungskonzepte nicht mehr abgedeckt werden. So entstand das Modell der Tagesklinik, welches die Lücke zwischen vollstationärer Behandlung und der ambulanten Medizin schließen kann.

Mit der teilstationären Versorgung einer Tagesklinik steht Patienten, die in der Diagnostik und Therapieeinleitung ambulant unzureichend versorgt sind, die einen geringen Grad an Komorbidität aufweisen und denen aufgrund sozialer Umstände eine vollstationäre Aufnahme schwer möglich ist, eine zusätzliche Leistung zur Verfügung, mit der sie schnell Hilfe bekommen können. Einer der Vorteile ist, dass den Patienten im Gegensatz zu einem ambulanten Zentrum im Rahmen einer der rheumatologischen Akutklinik angegliederten Tagesklinik das Know-how des gesamten rheumatologischen Spektrums von Diagnostik und Therapie zur Verfügung steht. Die Betroffenen können im Bedarfsfall mit allen Möglichkeiten einer Notfallversorgung bei Komplikationen wie beispielsweise einem rheumatischen Schub oder starken Nebenwirkungen der Medikamente durch das internistisch-rheumatologische multiprofessionelle Team des Krankenhauses im Hintergrund sofort adäquat betreut und gegebenenfalls stationär übernommen werden.

Generell ist die stationäre sowie teilstationäre medizinische Versorgung von Patienten mit chronischen entzündlich- rheumatischen Erkrankungen hinsichtlich Diagnostik und Therapie als hochkomplex einzustufen. Sie erfordert ein hochspezialisiertes, interdisziplinär arbeitendes Team bestehend aus Ärzten der Inneren Medizin und Rheumatologie, speziell internistisch-rheumatologisch geschultem Personal aus Pflege, Physiotherapie, Massage, Ergotherapie, des Sozialdienstes und (im günstigsten Fall) der Psychologie und Kunsttherapie sowie anderer angrenzender medizinischer Berufe. Die fachliche Leitung muss durch mindestens zwei Fachärzte für Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie sowie Physikalischer Medizin gewährleistet sein. Sollten noch zusätzliche Kenntnisse und Erfahrungen in der Sozialmedizin und Rehabilitation vorhanden sein, ist dies von Vorteil. Rieke Alten

Die Autorin ist Chefärztin der Abteilung Innere Medizin II, Rheumatologie, Klinische Immunologie und Osteologie der Schlosspark-Klinik Berlin.

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