Zeitung Heute : PC fürs Volk

Möglichst viel Leistung oder möglichst geringer Preis: Welcher Computer-Typ sind Sie?

Kurt Sagatz

Ein Blick auf den Tacho kann nie schaden. Im Straßenverkehr allein schon aus Sicherheitsgründen – und beim Computer, um sich einmal darüber bewusst zu werden, wie viel der vorhandenen Leistung tatsächlich eingesetzt wird.

Wer sich gerade einen neuen Titanium-Rechner von Aldi gekauft hat, wird sich beim Blick auf die Leistungskurve vermutlich fragen, ob sein Gerät nicht möglicherweise defekt ist. Außer wenn er gerade sein Winterurlaubs-Video bearbeitet oder mit einem Formel-1-Spiel das Regenrennen von Brasilien nachspielt, wird der Tacho die meiste Zeit eine Prozessornutzung von weit unter zehn Prozent anzeigen. Und selbst aufwändige Arbeiten wie das Umwandeln von Musikstücken in MP3-Songs schaffen es nicht, die Leistungsreserven des Computers auch nur annähernd auszuschöpfen. Doch den stolzen Besitzer des Titanium-Rechners stört das offenbar wenig.

Für die PC-Käufer ist beinahe ganzjährig Schnäppchenzeit. Ob Aldi-Rechner, Volks-PCs oder ein Lidl-Computer: In regelmäßigem Turnus jagt ein Sonderangebot das nächste. Gestern erst hat Vobis sein Niedrigpreis-Angebot neu aufgelegt (steuerlich günstig, siehe Kasten). Für 399 Euro bietet der Filialist einen Basis-PC an, der zielgerichtet jene Käufer ansprechen soll, die ihren Computer ohnehin als bessere Schreibmaschine mit Internet-Anschluss einsetzen.

Wie weit die Aldisierung der PC-Käufer inzwischen geht, zeigt auch eine aktuelle Studie von TNS Emnid. Das Institut hatte potenzielle PC-Käufer gefragt, welche PC–Komplettlösung für sie in Frage käme. 45 Prozent aller Befragten zogen dabei Geräte des Aldi-Zulieferers Medion in Betracht. Damit liegt der Discounter in der Gunst der Kunden unangefochten an erster Stelle. Geräte von anderen namhaften Herstellern schnitten weniger gut ab. Siemens-Fujitsu kam mit 34 Prozent auf den zweiten Platz, gefolgt von IBM (31 Prozent) und Hewlett-Packard (30 Prozent). Kein anderer Discounter – auch nicht Plus mit dem von „Bild“ beworbenen Volks-PC – kann sich im Moment mit Aldi messen.

„Darf es auch ein bisschen mehr sein?“, vor allem dieses Prinzip steht für den Erfolg des Discounters. DVD-Brenner, ein 2,6 Megahertz schneller Prozessor, 512 Megabyte Arbeitsspeicher, eine 160-Gigabyte-Festplatte sowie eine Grafikkarte für den neuesten Microsoft-Standard DirectX 9, ja sogar eine TV-Karte und eine Fernbedienung fehlten beim dem üppig ausgestatteten Titanium-Rechner nicht. Dazu alle nur erdenklichen Anschlüsse für die moderne Multimedia-Welt aus MP3-Playern, digitalen Fotoapparaten oder aktuellen Camcordern sowie ein Software-Paket, das alleine schon einen stattlichen Wert darstellt. So sehen Geräte aus, die jeden PC-Freak glücklich machen. Für viele normale Nutzer wirken sie jedoch überzüchtet und somit mit rund 1180 Euro auch nicht gerade billig. Die gleiche Tendenz ist bei vielen Angeboten aus dem Laptop- und Notebook-Bereich festzustellen. Auch hier stehen den heiß beworbenen 1600- Euro-Schnäppchen mit Luxus-Ausstattung inzwischen mobile Low-Cost-Arbeitstiere gegenüber, die für gerade einmal 700 Euro angeboten werden. Die große Frage heißt also: Welcher PC-Typ sind Sie?

PC-Typ 1: Der Sparsame

Die schiere Leistung der verschiedenen Komponenten – Prozessor, Arbeitsspeicher, Festplatte, Grafikkarte – hat mittlerweile längst nicht mehr die Aussagekraft wie noch vor zwei Jahren. Die gängigen Büroprogramme, Internet-Anwendungen und selbst Multimedia-Dienste zum Abspielen von DVDs oder Musiktiteln laufen selbst auf preiswerten Computern. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Prozessor von Intel oder AMD stammt.

Gewisse Mindestanforderungen ergeben sich allerdings durch die Wahl des Betriebssystems. Die aktuelle Windows-Version XP sowohl in der abgespeckten Home-Variante oder als Profi-Version läuft eben doch erst ab einer bestimmten Taktrate und einem Minimum an Arbeitsspeicher rund. Beim Basis-PC von Vobis (AMD Duron-Prozessor 1300 und 128 Megabyte Arbeitsspeicher) handelt es sich somit auch um die absoluten Mindestanforderungen. Um hier nicht in seinem Arbeitseifer ausgebremst zu werden, sollten einige multimediale Spielereien wie animierte Fenstereinblendungen deaktiviert werden. Zudem muss bei aller Sparsamkeit bedacht werden, dass selbst einfache Kindersoftware – beispielsweise vom Tigerentenclub – mitunter schon höhere Anforderungen an die Hardware stellt.

PC-Typ 2: Der Rationale

Wer sich beim PC–Kauf auf der sicheren Seite befinden möchte und nicht unbedingt nach einem absoluten Low-Cost-Zweitrechner sucht, findet die besten Angebote in der Preiskategorie um die 1000 Euro. Prozessoren mit 2,4 oder 2,6 Gigahertz, 256 Megabyte Arbeitsspeicher, Festplatten ab 80 Gigabyte und aktuelle Grafikkarten mit DirectX8-Unterstützung sowie eingebaute Netzwerkkarten für den Anschluss ans schnelle DSL-Internet sind hier genauso Standard wie ein CD-Brenner. Weniger ist in dieser Kategorie kaum ratsam.

Wie wichtig hingegen andere Komponenten sind, lässt sich nur individuell beantworten. Wer an seinem Computer nicht fernsehen will, braucht eben keine TV-Karte und Fernbedienung. Und bei DVD- Brennern besteht weiterhin das Problem, dass sich die Hersteller immer noch um den endgültigen Standard streiten. Immerhin: Nachdem sich Microsoft der DVD+RW-Allianz angeschlossen hat, spricht einiges dafür, dass sich dieses System durchsetzen könnte.

Typ 3:Der Kompakte

Während es bei Desktop-Systemen insgesamt verhältnismäßig einfach ist, sich für das eine oder andere Angebot zu entscheiden, wird die Wahl bei Laptops oder Notebook-Rechnern endgültig zur Qual. Die Mindestanforderungen sind zwar im wesentlichen identisch, allein schon wegen Windows XP. Wie diese jedoch erfüllt werden, ist höchst unterschiedlich. Preis und Leistung sind dabei mitunter weniger entscheidend als die Frage, wofür die Geräte benutzt werden sollen. Dient der Laptop als All-in-one-Alternative zum sperrigen Schreibtisch-Computer, ist es vor allem wichtig, dass die Leistung sowohl für Büroanwendungen als auch für Spiele ausreicht. Auch ein CD-Brenner ist bei den Komplettsystemen sicherlich sinnvoll. Bei diesen Geräten stört es zudem weniger, wenn darin ein stromhungriger Desktop-Prozessor seine Arbeit verrichtet.

Typ 4: Der Mobile

Wer seinen Laptop oder sein Notebook hingegen vor allem unterwegs einsetzen möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass es über einen Mobil-Prozessor verfügt. Bei Intel-Prozessoren wird dies über ein kleines „m“ symbolisiert. Ohne diese Stromsparfunktionen macht der Akku oftmals schon nach anderthalb Stunden schlapp. Auch das Gewicht wird beim mobilen Einsatz zur entscheidenden Größe. 3,5 Kilogramm plus Netzteil, Adaptern, Kabeln, Maus sind zuviel. Etwas weniger Leistung und ein kleinerer Bildschirm sind dann eher zu verschmerzen.

Gerade bei den leichten, ausdauernden und dennoch bezahlbaren Geräten kann es sich lohnen, noch etwas zu warten. Zur CeBIT hat Intel die neue Centrino-Technologie für Laptops vorgestellt. Geräte mit dieser Technik sollen stromsparender und leistungsoptimierter arbeiten als die Vorgänger und verfügen bereits ab Werk über Wireless-LAN-Funktionen.

Fazit: Wer einen PC oder Laptop kaufen will, wird derzeit umworben wie nie. Ein Ende der Preisschlacht ist nicht abzusehen. Wer jetzt noch etwas abwartet, kann sicher sein, dass er im nächsten Monat, spätestens im Sommer, zum gleichen Preis ein Gerät erhält, dass noch mehr Leistung und Funktionen bietet.

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