Zeitung Heute : Pendeln

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Laut Wettervorhersage wird der Sommer an diesem Wochenende eine kurze Pause einlegen, gute Gelegenheit, zur Abwechslung mal wieder drinnen zu feiern. Heute Abend zum Beispiel im WMF im Café Moskau, wo sich der New Yorker DJ Little Louie Vega die Ehre gibt. Der Name wird Ihnen vielleicht nicht unmittelbar etwas sagen, aber Sie haben mit Sicherheit in den letzten zehn, zwölf Jahren schon zu einem seiner Stücke getanzt. Vega ist nicht nur DJ, sondern auch die eine Hälfte des Produzentenduos Masters At Work, das Hits wie „The Bomb (These Things Are Falling To My Mind)“ oder „Nuyorican Soul“ hatte.

Dass der kleine Louie Vega, der als einer der besten House-DJs der Welt gilt, in Berlin auflegt, ist etwas ganz Besonderes: Er ist äußerst speziell in der Wahl der Clubs. Wenn nicht garantiert ist, dass dort ein DJ-Mixer der Marke Rane MP steht, reist er gar nicht erst an. Und einmal abgesehen von der mitunter fünfstelligen Dollar-Gage, die er für einen Auftritt verlangt, stellt er bei Verpflegung und Unterkunft Ansprüche, die mit denen von Jennifer Lopez mithalten. Es müssen ganz exquisite Sorten Champagner und Kaviar aufgefahren werden, damit er zufrieden ist, und in England ist es sogar schon mal vorgekommen, dass Vega für einen seiner Auftritte eine Dusche auf der Bühne installiert haben wollte, damit gewährleistet war, dass er sich zwischenzeitlich frischmachen konnte. Ja, Vega ist eine Diva wie aus dem Bilderbuch, aber der Gute legt einfach spitzenmäßig auf und füllt Clubs in jeder Stadt bis zum Überlaufen – da werden ihm von seiner Fangemeinde eben demutsvoll derartige Extravaganzen erlaubt.

Für seinen WMF-Auftritt ist Vega laut Daniel W. Best, dem Veranstalter der heutigen Party, glücklicherweise auf dem Teppich geblieben ist. Er kommt sozusagen aus Freundschaftsgründen nach Berlin. Denn mit ihm im WMF legen heute auch noch Jazzanova aus Prenzlauer Berg auf, zu deren größten Fans Little Louie gehört. Sie sehen heute Abend also erst Jazzanova, dann Little Louie und dann gibt es noch Gesangs-Einlagen des Londoner Sängers Shaun Escoffery, sowie der Berliner Soul-Kehlchen Clara Hill und Georg Levin. Ein Programm, das sich wirklich sehen lässt – Kompliment an Daniel W. Best.

Sollten Sie vor der WMF-Party noch ein bisschen auf gemütlich machen wollen, empfehle ich Ihnen noch die Abschlussparty von Apricot in der Dunckerstraße 8a. Dort feiert das Architektentrio „aprèsnous-le-déluge“ das Ende seiner Ausstellungsreihe zum Thema deutsche Kleinstädte. In den vergangenen Wochen haben dort wechselnde Livesprecher zu einer Diashow die schönen Seiten von Kaiserslautern bis Celle geschildert, während ihr Publikum dazu in Sesseln aus Autoschläuchen hing. Heute gibt es vor den Vorträgen eine Best Of-Serie, und im Anschuss spielen die DJs Ise und Alex ihre Lieblingsplatten. Sie können heute Abend also wunderbar pendeln zwischen deutscher Kleinstadt und New Yorker DJ-Kunst, zwischen gepflegtem Lounging und Schweißtreiberei auf der Tanzfläche.

Freitag: Little Louie Vega, WMF im Café Moskau, Karl Marx Allee, Mitte, ab 23 Uhr. Apricot, Dunckerstraße 8a, Prenzlauer Berg, ab 21 Uhr.

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