Penkov : Die Gewandmeisterin

Designerin Bernadett Penkov ist mit ihrem Label international groß in Mode.

Patricia Hecht
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Es ist wichtig, möglichst schnell eine gewisse Anzahl von Kunden zu bekommen. Damit stimmt die wirtschaftliche Bilanz, und außerdem konnten wir uns einen Namen machen. Aber wir sind noch immer eine kleine Firma.“
Bernadett Penkov, Modedesignerin



Bernadett Penkov sitzt in ihrem kleinen Arbeitsraum in der Invalidenstraße, um sie herum Schnittmuster, halb fertige Kleider und nähende Mitarbeiterinnen. Sie ist dabei, ihre aktuelle Sommerkollektion für die Präsentation in Paris vorzubereiten – nur noch ein paar Tage, bis die Stücke in einem Showroom parallel zur Pariser Modewoche gezeigt werden.

Die 33-jährige Designerin und Gründerin des Labels Penkov zeigt sich trotz des Zeitdrucks so unaufgeregt wie ihre Mode. Die ist bestimmt von lässigen und eleganten Schnitten, edlen Stoffen und Farben wie Sand oder Grau mit schimmernden Applikationen. „Ich bin sehr bodenständig, was Mode angeht“, sagt sie. „Die Kleider sollen so schön und besonders sein, wie es nur geht – aber zu allererst muss sich die Trägerin darin wohl fühlen.“ Die Schmale selbst kombiniert heute bequeme Turnschuhe und eine schwarze Jeans zu einem ihrer schlicht geschnittenen schwarzen Sakkos.

Bernadett Penkov ist als Nachwuchsdesignerin im internationalen High Fashion Bereich erfolgreich. In Ungarn geboren und in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen, kam sie 1999 nach Berlin, um an der Esmod-Modeschule zu studieren. Sie schloss mit dem Preis für die beste Diplom-Kollektion ab und wurde von Gilles Rosier als Assistentin nach Paris geholt. 2003 ging sie zurück nach Berlin, um zusammen mit einer Geschäftspartnerin ihr erstes Label Maison Anti zu gründen. „Wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass es mit uns nicht funktioniert“, sagt Penkov. 2005 gründete sie deshalb ihr eigenes Label.

Die Sommerkollektion ist bereits die achte. Viel Gold ist dabei, und etwas abendfeiner ist sie geworden. „Wir haben Kleider, die man im Büro anziehen, aber auch zum Ausgehen anlassen kann – man nennt das day-to-evening“. Noch ist es eine reine Damenkollektion, mittelfristig soll eine Herrenlinie folgen. Zur Berlinale stattete sie kürzlich Schauspielerinnen wie Anna Maria Mühe oder Hannah Herzsprung aus. Sie ist teurer geworden, ein Abendkleid kostet ab 500 Euro aufwärts. „Wir werden immer spezieller und aufwendiger. Das hat einfach seinen Preis“, sagt sie.

Penkov wurde mit Preisen wie dem Moet&Chandon Fashion Debut und dem Who’s Next Talent Award ausgezeichnet, war mit ihren Kollektionen in Magazinen wie Vogue oder Elle vertreten und zweimal als einziges deutsches Label auf der Londoner Fashion Week präsent. Sie hat Vertriebsagenturen und Kunden in sieben Ländern, darunter Frankreich, die USA und Japan. „Es ist wichtig, möglichst schnell eine gewisse Anzahl von Kunden zu bekommen“, sagt sie. „Damit stimmt die wirtschaftliche Bilanz, und außerdem konnten wir uns einen Namen machen. Aber wir sind noch immer eine kleine Firma.“ Der Umsatz des Labels, das mit eineinhalb Festangestellten, einem externen Schnittmacher und zusätzlichen Schneidern auskommt, liegt momentan im sechsstelligen Bereich. Außerdem hat Penkov einen Investor an ihrer Seite. „Trotzdem ist es hart, gegen solche Werbebudgets anzutreten wie sie beispielsweise Dolce & Gabbana haben.“

Obwohl die größten Kunden ihren Sitz im Ausland haben, bleibt Penkov Berlin treu. „Die Stadt ist eine kleine, feine Insel im Modezirkus.“ Sie fühlt sich hier sehr wohl, die Infrastruktur in Sachen Mode sei aber entwicklungsbedürftig. Wichtige Modemagazine fehlten, auch der Kontakt zur Branche. „Wenn ich auf der Suche nach speziellen Schulterpolstern bin, muss ich nach Paris fahren.“

Die nahe Zukunft sieht so aus: Demnächst wird sie aus ihrem Laden in der Invalidenstraße ausziehen und nach einem neuen Standort in Berlin suchen. In Paris wird Penkov ihre Kollektion bei der Vertriebsagentur abgeben, weiter nach Tokio reisen und ihren Stand bei einer Modemesse betreuen. Das ist spannend, sagt sie. „Aber was wahnsinnig Spaß macht, ist die Arbeit an der Kollektion.“

www.penkovberlin.de

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