Zeitung Heute : Per Kreuzchen zum Studienwunsch

Tom Heithoff

Dieses Buch ist ziemlich überflüssig. Es sei denn, jemand hat Spaß daran, kleine Kreuzchen hinter Fragen zu machen, Bewertungspunkte zusammenzurechnen und mit einem Bleistift in kleine Kästchen einzutragen. Kurz: Wer ein ausgeprägtes Interesse an Tests hat, für den könnte sich "Der große Studienwahltest" durchaus lohnen.

Etwa 250 000 Abiturienten stehen jedes Jahr vor den entscheidenden Fragen: Lehre oder Studium? Fachhochschule (FH) oder Uni? Und vor allem: welche Fächer? Die Autoren Dieter Herrmann und Angela Verse-Herrmann glauben, diese Entscheidung vereinfachen zu können. Sie scheuchen künftige Studierende über einen Fragen- und Kreuzchen-Parcours - mit dem Ziel, Interessen zu erkennen, Begabungen herauszuarbeiten und Anforderungen einzuschätzen.

Der Leser soll sich unter anderem darüber klar werden, welcher Hochschultyp seinem Wesen entspricht. Dafür wählt er unter folgenden Sätzen aus: (A) Ich lese auch das, was mich nicht so brennend interessiert, oder lese (B) nur das, was mich direkt interessiert. Noch ein Beispiel. (A) Um etwas zu verstehen, muss man viel nachdenken, oder (B) viel wichtiger als nachdenken ist, dass man die Sache im Griff hat. Der A-Typ ist nach Meinung der Autoren eher für die Universität geeignet, der B-Typ für die Fachhochschule.

Ich behaupte einfach mal, um etwas zu verstehen, muss man viel nachdenken. Klarer Fall von Universitäts-Typ also. Jetzt heißt es, die richtige Fächergruppe auszuwählen. Wenn der Kandidat das Vorlesungsthema über "medizinische Untersuchungsmethoden" interessant findet und auch die "Einführung in die Anatomie" und den "Kursus der medizinischen Fachbegriffe", lautet die Antwort, dass er "großes Interesse an medizinischen Fächern" besitze. Aha. Ergänzend dazu erhält er nähere Informationen zu diesem Fachkomplex. Zum Beispiel, dass die Berufsaussichten momentan nicht so rosig sind, und dass man in den Grundlagenfächern, also Chemie, Biologie, Physik und Mathematik, schon in der Schule gute Noten erzielt haben sollte.

Als letzter Schritt folgt die Präzisierung der Fächer. Wir bleiben bei der Medizin und kreuzen fleißig an. "Technik der Behandlung von Karies?" Kein Interesse. "Technik der Gipsverbände bei Tieren?" Auch nicht. "Anatomie der Haustiere?" Nein danke, kein Kreuz. "Örtliche Betäubung in der Zahnmedizin?" Nein! Aber wenn ich Kreuzchen mache bei "Geschichte der Medizin", "Herz- und Gefäßerkrankungen" und "Ursachen rheumatischer Erkrankungen", dann steht fest: Ich sollte Humanmedizin studieren und nicht Zahn- oder Tiermedizin. War doch gar nicht so schwer.

Für die meisten Abiturienten dürfte das Blättern in einem Vorlesungsverzeichnis und in der "Studien- und Berufswahl", die das Arbeitsamt kostenlos herausgibt, die bessere und interessantere Methode der Studienfachwahl sein.Dieter Herrmann / Angela Verse-Herrmann: Der große Studienwahltest. So entscheide ich mich für das richtige Studienfach. Eichborn Verlag. 112 Seiten. 19 Mark 80.

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