Zeitung Heute : Per Selbstorganisation zu neuer Optik

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Französische Wissenschaftler haben neue Materialien entwickelt, die sich selbstständig an wechselnde Lichtstärken anpassen können. Dies berichtet die Fachzeitschrift „Angewandte Chemie" in ihrer neuesten Ausgabe (4/2002, Seite 614-616). Das Team um den Chemiker Robert Corriu von der Universität Montpellier stellte zunächst die Lösung einer Substanz her, deren Kettenmoleküle aus organischen und anorganischen Elementen aufgebaut sind. Das polymere Hybridmaterial besteht aus stäbchenförmigen organischen Einheiten, die über anorganische Enden aus Silizium und Sauerstoff hochgradig vernetzt sind. Nach etwa drei Tagen erstarrte die Flüssigkeit zu einem Gel.

Fügten die Chemiker der ursprünglichen Lösung jedoch eine Chromverbindung hinzu und legten während der Vernetzung eine elektrische Spannung an, so entstand das Gel bereits nach etwa 24 Stunden. Zudem lagen die einzelnen „Stäbchen“ ausgerichtet vor. Auch nach Abschalten der Spannung blieb diese Ordnung erhalten, wie sich an zwei Jahre lang gelagerten Gelen bestätigte.

Derartige geordnete Mikrostrukturen sind die Voraussetzung für nichtlineare optische Eigenschaften von Materialien. Beispiele sind Fensterscheiben oder Brillengläser, die sich bei zunehmender Helligkeit dunkler färben. Auch als optoelektronische Bauelemente, wie sie bei der Datenverarbeitung eingesetzt werden, sind die Substanzen in- teressant. Derzeit ist es oft nur mit aufwendigen Techniken möglich, den Stoffen die geordneten Strukuren aufzuzwingen. Materialien, die sich per Selbstorganisation zusammenfügen, erscheinen daher technisch vielversprechend. pja

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