Zeitung Heute : Personal Nie mehr Ärger mit dem

Bügeln, fegen, wischen: Wäre schön, das würde ein Roboter machen. Science Fiction? Von wegen. Saugen kann er schon – und das Bier bringt er auch.

Wer wohl der bessere Haushaltsroboter ist? Modell „Butler“, das Einkaufstaschen tragen und Getränke servieren kann und dem „Heim eine maskuline und elegante Note“ verleiht, wie es der Webshop „Hubot Market“ verspricht? Oder das „Hausmädchen“, einsetzbar als Putzfrau, Babysitterin, Köchin und Krankenpflegerin?

Nur: Wer kann schon mit Personal umgehen? Dann doch lieber der bullige Prototyp „Gärtner und Chauffeur“, konstruiert für Leute, „die es nicht gewohnt sind, Bedienstete um sich zu haben“, wie es in der Betriebsanleitung heißt. Der Gärtner-Roboter, Akku-Laufzeit 18 Stunden, packt draußen an. Er putzt den Swimmingpool, schneidet die Hecke und begleitet Jugendliche „als diskreter Aufpasser“ zum Campingwochenende.

Einen solchen Roboter-Shop gibt es wirklich, allerdings nur auf der Homepage des Senders Arte. Der „Hubot Market“ ist das originelle Beiwerk der schwedischen Fernsehserie „Real Humans – Echte Menschen“, die bis Mitte Mai auf Arte läuft. In der Serie geht es um Roboter als Teile unseres Alltags. Jeder hat einen Human Robot, die Single-Frau genauso wie die Mittelstandsfamilie.

Die „Hubots“ putzen, kochen und lesen Kindern vor. Sie sind private Fitnesstrainer, tanzen in Gogo-Bars – und sehen aus wie wir. Als ein „Hubot“ einen Funktionsfehler hat und im Supermarkt Marmeladengläser zu Boden wirft, pirscht sich die Security von hinten mit einem Scanner heran, um zu prüfen, ob es sich nicht doch um einen Menschen handelt.

Szenarien, die uns eine Weile erspart bleiben werden. Zwar sind Roboter aus der industrialisierten Welt nicht wegzudenken, und sie werden in einer alternden Gesellschaft, die auf Hilfe angewiesen ist, eine Rolle spielen. Doch der einzige Roboter, der sich derzeit in deutschen Haushalten breitmacht, kann nur eines: staubsaugen. Das runde Ding sieht aus wie ein Waffeleisen auf Rädern und fährt leise summend durch die Wohnung. Um Kanten und Tischbeine herum, gerne auch nachts oder in Abwesenheit seiner Besitzer.

iRobot heißt die Marke. 210 000 Haushalte in Deutschland besitzen einen solchen Haushaltsroboter, Tendenz steigend, das hat die Gesellschaft für Konsumforschung ermittelt. Man muss sofort an den Film „I, Robot“ denken, beziehungsweise den gleichnamigen Roman von Isaac Asimov aus dem Jahr 1950, der ihm zugrunde liegt. Darin können Roboter denken, fühlen und streben schon mal nach der Weltherrschaft. Das Bild, das wir von Robotern haben, ist von Science Fiction geprägt. Auch wenn das Einzige, wogegen ein iRobot kämpfen muss, Kabel und Teppichfransen sind.

Anruf bei der Firma Klein Robotics. Sie vertreibt die Saug-Roboter in Deutschland. Hier glaubt man fest daran, dass iRobots „irgendwann selbstverständlich sein werden“. Das Hamburger Unternehmen verzeichnete von 2011 auf 2012 ein Umsatzplus von 30 Prozent. Hauptsächlich Männer sprechen sehr gut auf die stummen Diener an. Noch mehr Roboter gibt es in Österreich oder Spanien. In Spanien ist bereits jeder vierte verkaufte Staubsauger ein Roboter und „Teil des Lifestyles“, heißt es bei Klein Robotics.

In Deutschland sind Roboter kein Lifestyle, vermutlich weil sie ziemlich unglamourös sind. Wie die meisten Roboter kommt der Sauger nicht über Stufen, er hat nur Absturzsensoren. Roboterbeine zu entwickeln ist schwierig, das hat mit der Abnutzung der Gelenke zu tun und mit den Materialien, die zur Verfügung stehen. Der einzige Roboter, der bislang richtig laufen kann, ist die Geparden-Maschine „Cheetah“, erdacht von einer amerikanischen Firma. Er ist allerdings für das Militär vorgesehen.

Und wer wird für uns springen? Von iRobot gibt es noch einen Bodenwischer namens Scooba und seit neuestem einen Roboter, der die Regenrinne auf dem Dach putzt. In der Branche warten sie, dass jemand einen Fensterputzroboter für zu Hause konstruiert, ein solcher ist nicht in Sicht. Immerhin gibt es einen Roboter, der einem das Bier bringt. Es ist der „interaktive Butler“, das Fraunhofer- Institut hat ihn entwickelt. Er heißt Care-O-Bot und sieht aus wie ein wandelnder Eincheck-Automat am Flughafen. Der Care-O-Bot hat ein Tablett und einen Greifarm, mit dem er eine Flasche nimmt, auf das Tablett stellt und heranrollt. Ein paar Worte sagt er auch.

Der Care-O-bot wird derzeit in der Altenpflege getestet, er soll sich als Haushaltshilfe älterer Menschen durchsetzen. Ausgestattet mit Kameras und Laserscanner, kann er sich durchs Wohnzimmer bewegen und seinem Besitzer hinterherfahren oder ihn stützen. Stürzt der Mensch, registriert es der Roboter und kann über seinen Bildschirm die Notfallzentrale zuschalten.

Wobei nun ein paar Fragen auftauchen. Wie soll ein Roboter-Butler aussehen? Humanoid oder gar geminoid, wie der Roboter Geminoid HI-1? Der bewegt sich wie eine überdimensionale Bauchredner-Puppe und gleicht seinem Erfinder, dem japanischen Kybernetiker Hiroshi Ishiguro, wie ein Zwilling. Studien besagen, dass der Mensch einen Roboter am ehesten annimmt, wenn er ihm selbst ähnelt. Und nicht nur aus einem roten Lichtauge besteht, wie der neurotische HAL 9000 aus Stanley Kubricks Film „2001: Odyssee im Weltraum“.

An der Universität Zürich, wo gerade ein Helfer-Roboter namens Roboy konstruiert wird, haben sie über Facebook abstimmen lassen, was die Maschine für ein Gesicht haben soll. Herausgekommen ist ein weißer Kopf mit großen, runden Augen, irgendetwas zwischen E.T. und dem kleinen Gespenst. Der Mensch will offenbar Helfer mit Kindchenschema.

Wibke Borngesser ist Geschäftsführerin eines Exzellenzclusters an der TU München, in dem Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen an Robotern forschen. Sie zitiert eine Studie: Je ähnlicher der Roboter dem Menschen ist, desto höher sind die Erwartungen an ihn – und desto eher fällt er bei uns durch. Borngesser kommt viel herum, gerade war sie in Zürich bei „Robots on Tour“, der weltgrößten Ausstellung von „Robotern, Humanoiden, Cyborgs und mehr“.

Die Leute seien oft enttäuscht von den Robotern, sagt sie. Weil sie nicht einmal Treppen schaffen, weil ihre Bewegungen sehr langsam sind. Die „Süddeutsche Zeitung“ beobachtete bei „Robots on Tour“ ein Paar, das vor Armar stand, einem Roboter vom Karlsruher Institut für Technologie. Armar kann Dinge aus dem Kühlschrank holen und die Geschirrspülmaschine ausräumen, ohne dass etwas kaputt geht. Dafür hat er Drucksensoren. Nur schnell ist Armar dabei nicht. „Der ist wie du“, sagte die Frau zu ihrem Mann. „Bevor ich dich bitte, habe ich es selbst gemacht.“

Aus der Sicht des Roboters ist allerdings der Mensch das unberechenbare Element, sagt Borngesser. Bis es Roboter gibt, die menschliche Bewegungen und Reaktionen richtig deuten können, werden noch viele Science-Fiction-Filme in die Kinos kommen. Borngesser kennt keinen Roboter, der im Haushalt in nächster Zeit ähnlich präsent sein könnte wie der Staubsauger.

Vielleicht tut es einstweilen ein intelligenter Garderobenschrank. Einen solchen haben Architekten und Informatiker an der TU München gebaut. Weiß-blau und formschön, eine sogenannte mechatronische Wand mit diversen Sensoren und Mikroeletronik. Auf dem großen Spiegel ist ein Touchscreen, über den lässt sich etwa die Lüftung regeln. Oder man misst seinen Blutdruck und schickt die Werte an den Hausarzt. Reden kann der Spiegel an der Wand nicht, dafür gibt es kleine Fächer, für die Brille oder die Schlüssel. Will man ohne Schlüssel durch die Wohnungstür treten, fängt der Garderobenschrank wie verrückt an zu piepen. Was schon mal ein guter Anfang ist. Gefühle oder sogar das Bedürfnis, die Welt zu erobern, hat er jedenfalls nicht.

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