Zeitung Heute : Perspektive: positiv

Die Region zieht viele Life-Science-Unternehmen an. Die schaffen zahlreiche hochspezialisierte Jobs

Andreas Monning

Christine Wedler blickt optimistisch in die Zukunft. Die promovierte Diplom-Chemikerin ist heute Geschäftsführerin der Angewandte Synthesechemie Adlershof GmbH (ASCA), die 2000 im Technologiepark im Berliner Osten gegründet wurde. Das private Forschungsinstitut bietet der forschenden pharmazeutischen Industrie Know-how auf dem Gebiet der medizinischen Chemie, Auftraggeber sind Branchengrößen wie Altana Pharma und Grünenthal.

Vor fünf Jahren mit 14 Leuten gestartet, beschäftigt ASCA heute 30 Mitarbeiter, erst 2005 kamen fünf weitere hinzu. „Wir wachsen vorsichtig und betriebswirtschaftlich vernünftig, aber wir expandieren“, sagt Wedler, und stellt auch für die nahe Zukunft neue Jobs in Aussicht. Man sei gerade umgezogen, 25 Prozent mehr Laborfläche müssten mit Personal versorgt werden. Gebraucht würden Chemiker und chemisch-technische Assistenten. Die Einstellungen begännen, sobald aktuelle Verhandlungen um Forschungsaufträge zum Abschluss kämen.

Auch viele andere Unternehmen aus dem Bereich Life Science, zu dem neben der Pharmaindustrie die Bio-, Chemie- und Medizintechnik gehören, sehen derzeit positiv in die Zukunft: Die Branche befindet sich nach Krisenjahren im Aufwind. In der Hauptstadtregion tragen die gemeinsamen Bemühungen von Wirtschaft und Politik, Zukunftstechnologien entsprechende Rahmenbedingungen zu verschaffen, Früchte. „Der Innovationsschub der letzten Jahre geht weiter und zahlt sich mittlerweile aus“, bestätigt Olaf Möller, Sprecher der Arbeitsagentur Regionaldirektion Berlin-Brandenburg. So würden Biologen, Mediziner und Chemiker, dazu diverse Ingenieursfachrichtungen mit Zusatzqualifikationen, profitieren. Denn der Life-Science-Markt sei speziell für Hochschulabsolventen und die dazugehörigen technischen Assistenten ein Jobgeber, Verwaltung spiele dagegen eine verschwindend kleine Rolle.

Besonders von der modernen Biotechnologie werden Beiträge zum nachhaltigen Wirtschafts- und Produktivitätswachstum erwartet. Ihre Ergebnisse finden in Bereichen wie Arzneimittel und Diagnostika, aber auch Nahrungsmittelherstellung oder Umweltbiologie Verwendung. Bundesweit hat sich in den vergangenen zehn Jahren eine Branche herausgebildet, die sich dynamisch entwickelt. Einen Schwerpunkt mit wachsender internationaler Bedeutung bildet die Region Berlin-Brandenburg.

Im Aktionszentrum BioTOP, das von den Ländern Berlin und Brandenburg als zentrale Anlaufstelle gegründet wurde, laufen die Fäden der Region zusammen. In der aktuellen Ausgabe des „Biotech-Report Berlin-Brandenburg“ zieht Zentrumsleiter Kai Bindseil bei den wichtigen Kennzahlen, also der Zahl der Firmen, der Zahl der Stellen, beim Umsatz und bei den Produkten in klinischer Entwicklung, eine positive Bilanz: „Wir liegen knapp über dem Niveau des Boomjahres 2001.“ Gegenwärtig beschäftige die Branche rund 3213 Menschen, 210 mehr als im Vorjahr.

Auch das IHK-nahe Beratungsinstitut Berlin Partner GmbH, das in der Region unter anderem für Unternehmensansiedlung und Hauptstadt-Marketing verantwortlich ist, teilt diese Einschätzung. Life-Science-Expertin Carolin Clement präsentiert Zahlen: „Im Bereich Biotechnologie beispielsweise sind 2005 alleine durch Neuansiedlungen 300 Arbeitsplätze entstanden“. 62 Pharmaunternehmen, 180 medizintechnische Firmen und 156 biotechnologische Unternehmen lautet die Zwischenbilanz von Berlin-Partner. Vor allem in der Biotechnologie habe sich der positive Trend konsolidiert, der Standort Berlin sei attraktiv und zöge weitere Firmen an. Viele der Biotech-Unternehmen würden in Zukunft absehbar weitere Fachkräfte benötigen, bei Berlin Partner rechnet man mit bis zu zehn Prozent Wachstum. „Jobmaschine Biotechnologie wäre das falsche Wort“, klärt Carolin Clement die Dimensionen, „aber wir reden von Hightech-Arbeitsplätzen in einer zukunftsträchtigen Branche.“

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