Zeitung Heute : Peter Raue: Kunstfund im Internet zeigen Staatliche Museen

melden Ansprüche an.

Berlin - Der Berliner Rechtsanwalt und Kunstexperte Peter Raue hat die „Geheimhaltung“ der Augsburger Staatsanwaltschaft kritisiert. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel sagte er, die Behörden sollten die Bilder aus dem spektakulären Münchner Kunstfund ins Internet stellen, mit der Aufforderung, dass die Berechtigten sich melden. „Wie man Kunstwerke, von deren Existenz man bislang nichts wusste, ihren Eigentümern zuordnen kann, ohne sie öffentlich zu machen“, sei ihm ein Rätsel, sagte Raue. Auch das Zentralregister für Raub- und Beutekunst mit Sitz in London verlangt eine schnelle Veröffentlichung der 1406 beschlagnahmten Werke aus der Wohnung des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt. In der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird ebenfalls über Konsequenzen nachgedacht. „Wir müssen Wege finden, wie die eigentlichen Eigentümer beziehungsweise ihre Erben ihre Kulturgüter zurückerhalten können“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael Kretschmer der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Vor allem die Rückgaberegelung aus privatem Besitz müsse unter die Lupe genommen werden.

Peter Raue, der seit Jahren mit Restitutionsfällen befasst ist, regt an, über eine Vereinbarung mit Gurlitt nachzudenken: „Er überlässt die Werke dem Staat und geht dafür straffrei aus. Das würde die Rückgabe an berechtigte jüdische Familien oder Museen erheblich vereinfachen.“

Unterdessen melden sich erste mögliche Eigentümer jener Werke aus dem Gurlitt-Konvolut, die am Dienstag in Augsburg exemplarisch vorgestellt wurden. So prüft die Stadt Mannheim, ob sie Ernst Ludwig Kirchners Gemälde „Melancholisches Mädchen“ zurückfordern kann. Der Farbholzschnitt war von den Nazis 1937 als „entartete Kunst“ beschlagnahmt worden und galt als verschollen, so die Direktorin der Kunsthalle Mannheim. Auch das Essener Museum Folkwang hat eine „begründete Vermutung“, dass sich in dem Bilderschatz Werke aus seinem einstigen Bestand befinden könnten. Diese seien von den Nationalsozialisten konfisziert und an Hildebrand Gurlitt veräußert worden, den Vater des jetzigen Besitzers. Ebenso begehren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Auskunft. chp/dpa

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben