Zeitung Heute : Peugeot: Franzose mit neuen Proportionen

Ingo von Dahlern

Das soll der Nachfolger des Peugeot 306 sein? Mancher reibt sich verwundert die Augen, wenn er zum ersten Mal vor dem neuen 307 steht, der an diesem Wochenende in Deutschland an den Start geht. Denn mit nur 4,20 Meter Länge ist dieses Auto gut sechs Zentimeter kürzer als der Vorgänger, mit 1,51 Meter Höhe allerdings rund 14 Zentimeter höher. Das ergibt eine völlig neue Linie - Proportionen, die mit der flachen, fast in die Frontscheibe übergehenden Front und dem um drei Zentimeter auf 2,61 Meter gewachsenen Radstand schon ein wenig an einem kompakten Minivan erinnern. Noch fünfzehn Zentimeter Höhe mehr - dann hätte der neue 307 in etwa die Dimensionen eines Renault Scénic.

Aber Minivan sollte der neue 307 nicht werden. Er ist eine Limousine - doch eine einer neuen Art. Etwa so, wie das vor Jahrzehnten einmal der Golf war. Ein Erfolgsmodell, das der 307 nun so gezielt herausfordert, wie es keiner seiner Vorgänger vermochte. Und das mit Abmessungen, die bis auf die fast identische Breite rundum ein paar Zentimeter größer sind, als beim Wolfsburger Konkurrenten. Das verspricht erst einmal mehr Platz. Und wenn man sich hinein setzt in den neuen 307, dann merkt man schnell, dass diese Erwartung vollauf erfüllt wird - nicht nur auf den beiden Plätzen vorn, sondern vor allem auch im Fond. Und mit 341 Liter ist auch der Kofferraum - dank geteilter und vorklappbarer Rückbank natürlich variabel - noch ein Dutzend Liter größer. Den Zugang zum Ladeabteil verschafft bei einem solchen Auto natürlich eine große Heckklappe.

Peugeots recht mutiger Weg fort von der niedrig-eleganten Limousine in Kombination mit einem passendem Kombi hin zum hohen multifunktionalen Auto mit großzügigem Platzangebot ist übrigens kein Einzelfall. Denn wenn man den neuen Honda Civic mit seinem Vorgänger vergleicht, dann ergibt sich hier eine verblüffende Parallele, wobei der neue Civic noch ein wenig länger ist und einen noch längeren Radstand hat. Und dass auch bei künftigen Limousinen in der gehobenen Klasse mehr Höhe ein wichtiges Element sein kann, zeigt Renault mit seinem Vel Satis. Kurzum, es kommt eine Menge Bewegung in die Entwicklung des Automobildesigns. Und ein Zeichen der Zeit sind auch die groß dimensionierten Scheinwerfer mit der heute üblichen Klarglasoptik.

Ebenso neu wie die äußere Linie des Peugeot 307 ist sein Interieur. Bei der Materialwahl und der Verarbeitung setzt man auch bei Peugeot heute ganz gezielt auf hohe Qualität. Doch obwohl sich Peugeot für eine sich weich anfühlende Oberfläche entschieden hat, erschien uns das Armaturenbrett mit seinen klar ablesbaren großen Rundinstrumenten und der sehr übersichtlichen Mittelkonsole trotz seiner edlen Optik ein wenig nüchtern. Natürlich ist das Geschmackssache. Unter diesem Aspekt ist es sehr zu begrüßen, dass Peugeot beim 307 eine besonders breite Palette von Farbkombinationen für den Innenraum sowie vier Farben für die Verkleidung der Armaturentafel und zugleich sehr unterschiedlich gestaltete Oberflächen anbietet. Damit hat jeder die Möglichkeit, sich für sein Fahrzeug ein sehr individuelles Interieur zu gestalten.

Ein so kurzes und so hohes Auto wie der neue 307 bedeutet natürlich, dass man ein wenig anders sitzt, als in einer flachen Limousine - nämlich ein wenig höher und ein wenig aufrechter. Überraschend dabei ist der große Kopfraum. Und dank einer Höhenverstellung über einen Pumphebel findet man in Verbindung mit dem in Höhe und Neigung verstellbaren Lenkrad schnell eine sowohl bequeme als auch sichere Position hinter dem griffigen Lenkrad und kann sich zugleich über eine gute Sicht rundum und vor allem nach vorn freuen.

Viel Aufwand getrieben hat Peugeot auch für die Sitze selbst, die straff gepolstert ordentlichen Seitenhalt geben und mit sehr funktionalen Kopfstützen versehen sind - allerdings nur vorn, denn die Verstellwege der hinteren Kopfstützen sind leider nicht ausreichend, so dass Sitzriesen hier nicht die optimale Einstellung der Kopfstützen finden - ein allerdings korrigierbarer Mangel. Wegweisend bei den Vordersitzen sind die aktiven Sitzrückenlehnen, die mit aktiven Kopfstützen bei Auffahrunfällen die Gefahr von Halswirbelverletzungen erheblich verringern. Und da wir gerade bei der Sicherheit sind. Vorn gibt es zweistufige Airbags mit pyrotechnischen Gurtstrammern und Gurtkraftbegrenzern, seitliche Thorax-Airbags und besonders den Kopf schützende Window-Airbags. Der Beifahrerairbag kann, wenn vorn ein Reboard-Kindersitz montiert wird, mit dem Zündschlüssel abgeschaltet werden. Und zu den Neuerungen im Sicherheitsbereich gehört die ganz neu entwickelte, bei einer Kollision verschiebbare aktive Fußstütze für den linken Fuß, die Knöchelverletzungen vermeiden hilft.

Trotz der etwas höheren Sitzposition fühlt man sich hinterm Steuer des 307 wie in einer Limousine. Und schließlich fährt sich dieses Auto auch wie eine Limousine. Denn unter der hohen Karosserie mit der aus Aluminium gefertigten besonders leichten Motorhaube und den Vorderkotflügeln aus Kunststoff steckt ein sehr ordentliches Fahrwerk mit Federbeinen vorn und einer Verbundlenkerachse hinten, mit dem man dieses sauber geradeaus laufende Auto auch bei flotter Kurvenfahrt jederzeit sicher im Griff hat. Die servounterstützte Zahnstangenlenkung arbeitet elektrohydraulisch und ist zielgenau. Und gut gefallen bei ersten Probekilometern hat auch der hohe Federungskomfort des 307, der lange Bodenwellen problemlos schluckt, sich mit harten kurzen Stößen allerdings ein wenig schwerer tut. Die Bremsen - Scheibenbremsen rundum, die unterstützt werden von einem ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und einem Bremsassistenten - packen kräftig und sauber zu. Und für den Fall, dass man sich oder dem Fahrzeug angesichts der aktuellen Straßenbedingungen doch einmal ein wenig zu viel zugetraut hat, wird die Fahrdynamikregelung ESP aktiv und bringt das Auto wieder auf den gewünschten Kurs.

Es kann schnell passieren, dass man mit diesem Auto einmal zu flott wird. Denn Peugeot hat es geschafft, die Motorgeräusche so gut vom Innenraum zu isolieren, dass man schon öfter auf den Tacho blicken muss, um zu wissen, wie schnell man sich bewegt. Das gilt gleichermaßen für die beiden Benziner - den 1,6-Liter-Vierventiler mit 80 kW

(109 PS) und den Zweiliter mit 100 kW (136 PS) - und die beiden direkt einspritzenden 1,9-Liter-Diesel mit 66 und 80 kW (90 und 101 PS), von denen der stärkere sogar mit einem Partikelfilter ausgestattet ist. Denn mit Höchstgeschwindigkeiten zwischen 179 und 205 km/h und Zeiten zwischen 13,8 und 9,8 Sekunden für den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 sind alle vier anfangs verfügbaren Versionen des Peugeot 307 sehr agil.

Vier Motorisierungen, fünf Ausstattungslinien und fünf Interieurs bieten schon zum Start des 307 vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, wobei bereits die Basisausstattung Présence erfreulich komplett daherrollt. Und durchaus attraktiv sind auch die Preise, die bei 28 751 DM für den 307 Présence 100 mit dem 1,6-Liter-Benziner beginnen. Ab 30 902 DM bekommt man den 307 als Diesel und 1565 DM mehr muss zahlen, wer statt drei Türen fünf wünscht. Und statt des Fünfgang-Schaltgetriebes gibt es bald schon für fast alle Versionen auch eine Viergang-Automatik mit Tiptronic-Funktion - ein Auto also, dass eine durchaus attraktive Alternative zum aktuellen Angebot auf dem deutschen Markt ist.

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