Zeitung Heute : Pfauenauge sei wachsam

Thymian, Flieder und Distel: Diese Pflanzen locken Schmetterlinge an

Wenn Sonne und Wärme den Tag bestimmen, dann flattern auch die Schmetterlinge lautlos durch die Lüfte und verweilen gelegentlich auf einer Blume. Im Garten lässt sich dieses reizvolle Spiel besonders schön beobachten, wenn nektarspendende Blüten vorhanden sind. Allerdings reicht die Nektarquelle zur Blütezeit allein nicht aus. Wichtig sind auch Wirtspflanzen für die Nachkommenschaft – und da sind die Schmetterlingsraupen wählerisch. Wer beide Aspekte beachtet, kann sich bald an vielen schönen Faltern erfreuen.

Am einfachsten ist es, an einer sonnigen Stelle im Garten eine Staudenrabatte anzulegen und mit Arten zu bepflanzen, die Schmetterlinge besonders mögen. Auch im Steingarten oder am Gehölzrand lassen sich solche Sonne und Trockenheit liebende Pflanzen ansiedeln. Sie können vom Frühjahr bis zum Herbst Schmetterlingsmagneten sein. Bereits im April stürzen sich Überwinterer wie Zitronenfalter und Pfauenauge auf die ersten Frühlingsblumen. Zu ihnen gehört der Hohle Lerchensporn (Corydalis cava), gefolgt von Schlüsselblumen (Primula), Blaukissen (Aubrieta) und dem gelb blühenden Steinkraut (Alyssum). Auch die Schleifenblumen (Iberis saxatilis) und der Schöterich (Erysimum x allionii) sind wertvolle Nektarspender.

Wenn der Sommer so richtig in Schwung kommt, stehen schnell viele niedrige und hohe Pflanzen in Blüte und bieten zahlreichen Schmetterlingsarten Nahrung. Admiral, Distelfalter, Bläuling oder auch der Schwalbenschwanz tummeln sich auf den blauen Blüten der Katzenminze (Nepeta x faassenii). Anziehungspunkt sind auch Distelarten, von denen vor allem die Edeldistel (Eryngium) mit ihren bizarren Formen und der blauen bis silberblauen Farbe im Staudenbeet einen großen Schmuckwert hat. Auch die als Mannstreu bezeichnete Hybride (Eryngium x zabelii) bildet schöne blaue Blütenköpfe auf verzweigten, 60 bis 100 Zentimeter hohen Stängeln. Sehr wirkungsvoll ist sie mit der Goldgarbe (Achillea filipendulina „Coronation Gold“), auf deren gelben Blütentellern sich zahlreiche Tagfalter versammeln.

Überhaupt sind Korbblütengewächse (Asteraceae), zu denen die erwähnte Goldgarbe gehört, wichtige Nahrungsquellen für Schmetterlinge. Besonders auf den blauen Blütenbällen der Kugeldistel (Echinops ritro) wimmelt es an sonnigen Sommertagen von ihnen, aber auch Bienen und Hummeln können dem süßen Nektar nicht widerstehen. Eine ideale Pflanze für die sonnige Staudenrabatte ist auch der Rote Sonnenhut (Echinacea purpurea), der von Juni bis September blüht. Zur gleichen Zeit entfaltet die Silberdistel (Carlina acaulis ssp. simplex) ihre Blüten, eine Staude mit flacher Blattrosette und einem oder mehreren Blütenköpfchen in der Mitte. Wild vorkommende Pflanzen stehen unter Naturschutz, aber die Gartensorten im Handel stammen aus gärtnerischen Kulturen.

Nahrungsquellen für Schmetterlinge sind auch Feinstrahlastern (Erigeron), von denen es ein umfangreiches Sortiment gibt. Sie sind ideale Schnittblumen und je nach Sorte in vielen Farben von Weiß über Rosa und Blau bis Violett und in Wuchshöhen von 40 bis 70 Zentimeter erhältlich. Nicht fehlen sollten die Staudenphloxe (Phlox-Paniculata-Hybriden) auf der Rabatte, die je nach Sorte 50 bis 150 Zentimeter hoch werden können. Sie sind in den Farben Weiß, Rosa, Rot und Violett in verschiedenen Farbtönen vorhanden und blühen von Mitte Juli bis Ende August.

Einige Schmetterlingsstauden lieben eher frischfeuchte Böden und passen besser an Teichränder oder in naturnahe Bereiche. Hier ist die Telekie (Telekia speciosa) besonders für lichtschattige Standorte zu empfehlen. Diese Waldstaude ist mit 180 Zentimetern Höhe sehr attraktiv, kommt gut als Solitär zur Geltung und blüht von Juni bis August. Mit ihren leuchtend gelben Blüten ist sie ein wahrer Magnet für Tagpfauenaugen und andere Tagfalter. Auch die Prachtscharte (Liatris spicata) eignet sich für frischfeuchte Böden, sollte allerdings einen sonnigen Platz haben. Ihre leuchtend purpurrosafarbenen Blütenähren sind von Juli bis September zu bewundern.

Unter den Gehölzen ist es vor allem der Sommerflieder (Buddleja), der zum Sommerausgang von der bunten Schmetterlingsschar umschwärmt wird und deshalb auch als Schmetterlingsstrauch bekannt ist. Zu den zahlreichen Gästen zählt der Admiral, einer der schönsten Schmetterlinge Mitteleuropas. Er kommt im Frühsommer aus dem Süden und hält sich bis zum Herbst in Gärten, Obstplantagen und lichten Wäldern auf. Die Blüten des Efeu (Hedera helix), die sich im Spätsommer entfalten, sind besondere Anziehungspunkte für diesen schönen Tagfalter.

Doch nicht nur im Garten kann man prachtvolle Schmetterlinge beobachten. Manche Kübelpflanzen oder in Gefäßen stehende Sommerblumen ziehen Schmetterlinge ebenfalls magisch an. Besonders beliebt sind zum Beispiel Wandelröschen (Lantana camara) mit ihren leuchtenden Blüten in verschiedenen Farben.

Schließlich sind auch die Beete im Gemüse- oder Kräutergarten ein Eldorado für Schmetterlinge und Raupen. Hier locken nicht nur die Blüten von Lavendel, Salbei und Thymian viele Arten an. Manche Kräuter sind auch wichtige Nahrungsquellen für die Nachkommen. So sind Dill, Fenchel, Möhren und Petersilie unentbehrlich für die Raupen des Schwalbenschwanzes. Ampfer bevorzugen Dukatenfalter oder Feuerfalter. Und Aurorafalter lassen sich vor allem Kreuzblütler wie Kresse, Rauke und Raukensenf schmecken.

Um eine Vielfalt an Schmetterlingen sesshaft zu machen, sollten auch einige „Unkräuter“ im Garten geduldet werden. Besonders wichtig sind Brennnesseln für viele Raupenarten der Edelfalter, zu denen Admiral, C-Falter, Kleiner Fuchs, Landkärtchen und Tagpfauenauge gehören. Da sich viele Tagfalter im Raupenstadium von verschiedenen Grasarten und Wiesenblumen ernähren, bietet ihnen eine wildblumenreiche Wiese beste Bedingungen. Und wenn vielleicht noch einige heimische Bäume oder Sträucher einen Platz finden, dann ist für die Nachkommenschaft vieler schöner Schmetterlinge gesorgt.

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