Zeitung Heute : Pferdeäppel zum Spargelauftakt

Der Tagesspiegel

Von Claus-Dieter Steyer

Zauchwitz. Wenn das kein Glück für die neue Spargelsaison bringt: Pünktlich zur gestrigen Eröffnung in Zauchwitz bei Beelitz kreiste ein Weißstorch über der Festgemeinde und die dunkelbraunen Rösser der Kutsche mit der Spargelkönigin ließen mehrere „Pferdeäppel“ fallen. Bettina Janas jedenfalls, die 26-jährige Bankkaufrau mit Krone, sah es positiv: „Dann kann mit dem Ertrag wenigstens nichts mehr schief gehen.“

Ein Jahr lang wird die Angestellte der Berliner Volksbank für das größte ostdeutsche Spargelanbaugebiet bei allen möglichen Gelegenheiten werben. Doch auch zu wenig königlichen Tätigkeiten ließ sich „Ihre Majestät“ gestern überreden. Sie griff selbst zum Spargelbesteck - ein Spezialmesser und eine Mauerkelle - und holte eine Stange höchstpersönlich aus der Erde. Normalerweise lassen Königinnen nur stechen und machen sich die Finger nicht schmutzig.

Die kleine Episode steigerte nur die gute Stimmung. „Nach dem wegen des kühlen Wetters wenig befriedigenden Ergebnis der vorjährigen Ernte hoffen wir diesmal wieder auf ein gutes Geschäft“, sagte Manfred Schmidt, Chef des Beelitzer Spargelvereins. „Wenn die Temperaturen weiter ansteigen, kann das Edelgemüse schnell wachsen und wird besonders zart.“ 720 Hektar zählen in diesem Jahr die Spargelfelder in der Region südwestlich der Berliner Stadtgrenze. Das sind 80 Hektar mehr als 2001.

Kurz nach der Wende kam der Spargel nur von einer 80 Hektar großen Anbaufläche. „Damals haben wir die geernteten Stangen gleich am Rand unseres kleinen Feldes in Zeitungspapier eingewickelt und verkauft“, erinnerte sich Karl-Ludwig Syring aus Zauchwitz. Heute baut sein Betrieb auf 28 Hektar vier unterschiedliche Sorten an, die in einer automatischen Anlage gewaschen, geschnitten und sortiert werden.

Insgesamt sprießt der Spargel in Brandenburg auf 1500 Hektar. Die Investitionen lohnen sich offensichtlich in jedem Fall. Denn jährlich verspeist jeder Deutsche im Schnitt 1,3 Kilogramm der kalorienarmen weißen Stangen, die zu 90 Prozent aus Wasser bestehen. In jedem Jahr wächst diese Zahl um 100 Gramm, vorrangig jedoch bei der „älteren Generation“. Berlin liegt trotz der Nähe zu Beelitz noch immer unter dem Bundesdurchschnitt. Vielleicht ist der hohe Preis schuld. Derzeit kostet ein Kilogramm Auslese um die neun Euro. Mit einem höheren Angebot sinkt gewöhnlich auch der Preis. Mitte bis Ende Juni werden dann sicher nur zwischen vier und fünf Euro verlangt.

Rund 2000 der 2500 Erntehelfer kommen auch in diesem Jahr wieder aus Polen. Die meisten von ihnen nehmen für die Zeit bis zum 24. Juni extra ihren Jahresurlaub und können mit Leistungszuschlägen bis zu 3000 Euro netto verdienen.

Auskünfte zum Spargelverkauf unter www.beelitz.de und beim Spargelverein unter der Telefonnummer 0331/86 08 78.

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