Zeitung Heute : Pferdefleisch enthält gefährliche Arznei

Nachweis von Rheuma-Mittel bei Tieren in Großbritannien / Drei Männer wegen Betrugs festgenommen.

Der Skandal um falsch deklariertes Pferdefleisch hat eine neue Dimension bekommen. In Großbritannien haben die Behörden bei einigen geschlachteten Tieren Spuren des auch für Menschen schädlichen Anti-Schmerzmittels „Bute“ gefunden. Bei acht von 206 der seit Januar kontrollierten Tiere habe man den krebserregenden Entzündungshemmer nachgewiesen, teilte der Staatsminister im Gesundheitsministerium, David Heath, mit.

Im Zusammenhang mit dem Skandal wurden in Großbritannien drei Männer unter Betrugsverdacht festgenommen. Nach Polizeiangaben arbeiteten zwei der Verdächtigen in einem Fleischverarbeitungsbetrieb in Südwest-Wales, ein 63-jähriger Mann wurde in einem Fleischbetrieb in der Grafschaft West Yorkshire festgenommen.

Staatsminister Heath sagte im Parlament, von den betroffenen Pferden seien drei nach Frankreich exportiert worden und dort möglicherweise in die Nahrungsmittelkette gelangt. Aus Frankreich sind auch deutsche Handelsketten mit Tiefkühl-Produkten wie Lasagne beliefert worden, bei denen dem Rindfleisch heimlich Pferd untergemischt worden ist. Auch in Deutschland prüfen die Behörden, ob das in der Fertiglasagne enthaltene Pferdefleisch mit Medikamenten belastet ist. Der nordrhein-westfälische Umweltminister Johannes Remmel wollte eine Gesundheitsgefahr nicht ausschließen. Pferdefleisch sei normalerweise nicht billiger als Rindfleisch, daher sei ihm unerklärlich, warum es untergemischt wurde, sagte der Grünen-Politiker. „Da muss es ja irgendeinen Grund geben, und dem gehen wir nach.“

Allerdings ist unklar, ob die Suche zu Ergebnissen führen wird. Mehrere Lebensmittelketten hätten in den vergangenen Tagen „stille Rückrufe“ gemacht, ohne die Lebensmittelkontrolleure zu informieren, kritisierte am Donnerstag ein Sprecher des Düsseldorfer Ministeriums, das bei den Analysen deutschlandweit führend ist. Das jetzt in Großbritannien nachgewiesene Mittel „Bute“ enthält Phenylbutazon. Bei Menschen kann dieses Mittel auch zu Magen-Darm-Blutungen und zu Ödemen führen.

Auch hierzulande wird der Skandal immer größer. Nachdem bereits am Mittwoch Real einräumen musste, dass die Tiefkühl-Lasagne der Eigenmarke „Tip“ Pferdefleisch enthält, gab am Donnerstag auch Edeka zu, dass in seiner „Gut & Günstig“-Lasagne Pferdefleisch verarbeitet wurde, ohne dass dies gekennzeichnet wurde. Rewe teilte auf Anfrage mit, Eigenmarken seien nicht betroffen, man könne aber nicht ausschließen, dass Lasagne und Cannelloni der Marke „Tulip“ Pferdefleisch enthalten. Die Artikel seien vorsorglich aus dem Sortiment genommen worden.

In Brandenburg wurden am Donnerstag in drei Lagern über 22 500 Packungen Tiefkühl-Lasagne mit möglicherweise falsch deklariertem Pferdefleisch gefunden. Die Ware, die von einem Großhändler aus Nordrhein-Westfalen geliefert worden war, wird jetzt untersucht. Mit Ergebnissen wird aber erst am kommenden Donnerstag gerechnet, teilte das Verbraucherschutzministerium mit.

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