Zeitung Heute : Pflanzen mit Bodenhaftung

Wie grüne Teppiche auf Trockenflächen entstehen.

Foto: Tassilo Wengel
Foto: Tassilo Wengel

Bodendecker sind im Garten fast unentbehrlich, denn sie unterdrücken nicht nur das Aufkommen von Unkraut, sondern sind auch weniger pflegeaufwendig als Rasen. Außerdem bilden sie reizvolle Teppiche zwischen Gehölzen und Stauden oder verleihen Steingärten ein besonderes Gepräge. Zu ihrer vollen Schönheit entwickeln sie sich aber nur, wenn ihre Ansprüche an Standort und Boden berücksichtigt werden. Ein besonderes Problem sind Gärten in sonniger Lage, wo sandige Böden dominieren. Sie sind von Natur aus sehr wasserdurchlässig und trocknen deshalb besonders schnell aus.

Zur Bepflanzung solcher Flächen bieten sich insbesondere trockenheitsverträgliche Pflanzen an. Hier eignen sich vor allem Arten der Steppen und Halbtrockenrasen von Europa bis Asien, ebenso Vertreter aus der nordamerikanischen Prärie, die wegen Schönheit und Dauerhaftigkeit zu empfehlen sind. Betrachtet man die ökologischen Verhältnisse dieser Gebiete, dann sind die geringen jährlichen Niederschlagsmengen von 400 bis 500 mm gravierend. Sie fallen gewöhnlich in der Zeit der Vegetationsruhe im Herbst und Winter. Während die Pflanzen im Frühjahr noch von der vorhandenen Feuchtigkeit zehren können, müssen sie bald einer längeren Trockenperiode standhalten. Der durchlässige Untergrund verstärkt die Wasserarmut im Boden, der häufig aus Muschelkalk und Gips besteht. Besonders Löß – ein erdig-lockeres Gemenge von Kalk, Ton und Sand – ist ein idealer Untergrund für die Entwicklung einer Steppenvegetation. Allerdings besteht die oberste Bodenschicht in den Steppen vom Osten Europas bis nach Asien aus nährstoffreicher Schwarzerde, die in Mitteleuropa meist durch Humuskarbonatboden ersetzt ist. Fazit ist, dass Sonne und Trockenheit liebende Pflanzen nicht nur auf sehr durchlässigen Böden gedeihen, sondern an Naturstandorten ihrer Heimat auch Humus und Nährstoffe vorfinden.

Wer diese Kriterien im Garten berücksichtigt und die richtigen Pflanzen auswählt, kann auf solchen Flächen ein farbenfrohes Mosaik von Bodendeckern aus dem Reich der Gehölze, Halbsträucher und Stauden zusammenstellen. Hierbei sollte man nach ästhetischen Gesichtspunkten vorgehen und nach der Blütezeit, Blühdauer, Blatt-und Blütenfarbe auswählen.

Für den Rand bietet sich als Einfassungspflanze das Sonnenröschen an. Neben dem Grauen Sonnenröschen (Helianthemum canum) mit grauweiß-filzigen Blättern und gelben Blüten sind von diesem Zwergstrauch vor allem zahlreiche Sorten im Handel, die von Mai bis August, bei einigen bis zum Frost, in den schönsten Farben blühen. Auch der Salbei (Salvia officinalis) ist ein idealer Bodendecker für solche Standorte, der sich ebenfalls gut für Einfassungen anbietet. Weniger die Blüten, sondern vor allem die Blätter mit ihren interessante Farbnuancen bieten Abwechslung und sorgen für eine interessante Wirkung. Sehr schön ist die Sorte ,Icterina’ mit gelb-grüner Panaschierung der Blätter, grünweiß sind die Blätter bei ,Sturmiana’ und die Sorte ,Tricolor’ bietet ein ganzes Farbspektrum ihrer Blätter in GrauGrün-Weiß-Gelblich-Fleischfarben. Partner dazu kann der Niederliegende Geißklee (Cytisus decumbens) sein, der von Mai bis Juni an seinen zottig behaarten Trieben zahlreiche gelbe Blüten entfaltet. Dieser Zwergstrauch kann bis 80 Zentimeter breit werden und lässt sich einzeln oder in Gruppen verwenden. Besonders schön wirkt er in Verbindung mit Steinen und ist wegen seiner Hitzeverträglichkeit auch in südexponierten Steingärten ein idealer Partner.

Zur gleichen Zeit blüht der Sand-Ginster (Genista pilosa), ein 10 bis 30 Zentimeter hoher Zwergstrauch mit goldgelben Blüten. Neben dieser Art verwendet man häufig die Sorte ,Goldilocks’, eine reichblühende Auslese, die allerdings mit 40 bis 60 Zentimeter etwas höher wird, aber ihre Wirkung in Gemeinschaft anderer Bodendecker, vor allem unter den zahlreichen Stauden, nicht verfehlt. Besonders schöne Bilder lassen sich mit dem Niederliegenden Ehrenpreis (Veronica prostrata) schaffen, der zur gleichen Zeit blüht. Er bildet dichte Matten und entfaltet auf 20 Zentimeter hohen Stengeln die endständigen lilafarbenen Trauben. In diese Gesellschaft passt der Thymian vorzüglich, von dem mehrere Arten und Sorten zu empfehlen sind. Der Feldthymian oder Quendel (Thymus serpyllum) bildet sehr schöne, flache Teppiche, die von Mai bis Oktober lila blühen.

Etwas höher wird der Goldblatt-Thymian (Thymus x citriodorus), der wegen seines intensiven Zitronenduftes auch als Zitronenthymian bezeichnet wird. Er bietet mit mehreren Sorten ein interessantes Farbenspiel der Blätter, wobei die Blüten eine untergeordnete Rolle spielen. Weißbunte Blätter hat die Sorte ,Argenteus’, und durch gelbbunte Blätter zeichnen sich Sorten wie ,Archers Gold’, ,Aureus’ oder ,Golden King’ aus. Schneidet man diesen Thymian gelegentlich zurück, lässt sich ein dichter Rasen erzielen. Aromatisch duften auch die Blätter vom Gewöhnlichen Dost (Origanum vulgare), der uns von Juli bis Oktober mit Blüten erfreuen kann. Besonders empfehlenswert ist die niedrige Sorte ,Compactum’, die nur 15 bis 20 Zentimeter Höhe erreicht. Weniger die Blütenstände, sondern die attraktiven filzigen Blätter sind beim Wollziest (Stachys byzanthina) eine willkommene Zierde. Besonders empfehlenswert ist die Sorte ,Silver Carpet’, die mit ihren silberhaarigen Blättern einen dichten Teppich bildet.

Ein wichtiger Dauerblüher bis zum Herbst ist die Missouri-Nachtkerze (Oenothera macrocarpa), die sich flach über dem Boden ausbreitet. Sie entfaltet von Mai bis September ihre großen gelben Blüten am Ende der langen, niederliegenden Triebe und ist der rechte Partner für den Rosenwaldmeister.

Pflanzt man zwischen die Bodendecker Blumenzwiebel- und Knollengewächse, dann sorgt man für einen zusätzlichen Effekt. Zwischen rasenbildenden Bodendeckern eignen sich kleinbleibende Vertreter wie Krokus (Crocus), Blaustern (Scilla), Perlhyazinthe (Muscari), Wildtulpen oder kleine Narzissen. Für höhere Bodendecker empfehlen sich neben höheren Tulpen vor allem Laucharten oder die prachtvollen Steppenkerzen (Eremurus). Tassilo Wengel

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