Zeitung Heute : „Phantasiewaren“ aus Sachsen - neu gesehen

Inge Ahrens

Es ist gerade mal hundert Jahre her, dass Damenstrümpfe noch zum Unaussprechlichen gehörten. Sehr intim, von Strumpfhaltern, Leibchen oder Korsetts gehalten, fristeten sie ein unsichtbares Dasein. 4000 fantastisch schöne Damenstrümpfe der Zeit um 1900 verwahren die Kunstsammlungen Chemnitz.

Kunstvolle Schätze mit herrlichen Mustern, heutigen Overknees nicht unähnlich, zeigen, was die Strumpfindustrie der Region vor hundert Jahren bereits konnte. Farbenfrohe Jugendstilmuster und Geometrisches zieren die maschinell hergestellten Beinkleider, zarte Blümchen-Stickereien und Spitzenlitzen. Die Stadt am Fuß des Erzgebirges war zur vorletzten Jahrhundertwende auf ihrem wirtschaftlichen Gipfel. Etwa 600 000 Strümpfe baumwollener oder halbseidener Art wurden täglich produziert und zum großen Teil nach Amerika verschifft. Chemnitz war berühmt für seine Strümpfe, „Phantasiewaren", wie man sie damals nannte. Der australische Künstler Richard Dunn stellte die gemusterten Belle-Epoque-Schätze gegen seine aktuellen Architektur-Fotografien von Chemnitzer Bauwerken aus den zwanziger und sechziger Jahren, deren dekorative, expressionistische und funktionale Strukturen von den historischen Chemnitzer gemusterten Beinkleidern flankiert werden.

Kunstsammlungen Chemnitz, noch bis zum 31. Oktober. Katalog 16 Euro

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