PHILHARMONISCHER CHOREdward Elgars „The Dream of Gerontius“ : Holt mich hier raus!

Uwe Friedrich

Katholische Wochen in Berlin: Nach der heiligen Johanna an der Deutschen Oper ist nun Gerontius in der Philharmonie dran. Der Text zu Elgars Oratorium stammt von einem der prominentesten Konvertiten des 19. Jahrhunderts, von Henry Newman. In schlechten Aufführungen kann das Publikum dem überforderten Tenor nur zustimmen, wenn er im Angesicht Gottes ausruft: „Take me away!“, also „Holt mich hier raus!“ Damit das nicht passiert, hat der Philharmonische Chor Berlin (Foto) mit Jane Irwin, Peter Auty und Paul Whelan drei erstklassige Solisten verpflichtet, die unter der Leitung des Dirigenten Jörg-Peter Weigle die Reise einer Seele von der Todesangst bis zum Thron des Herrn sicher bewegend gestalten werden.

Der Philharmonische Chor wird von englischen Kollegen aus Salisbury unterstützt, denn das Werk wurde für die inselübliche Riesenbesetzung konzipiert. Elgar schrieb das Oratorium wie im Rausch und war bitter enttäuscht, als es bei der Uraufführung durchfiel. Erst ein Konzert beim Rheinischen Musikfest in Düsseldorf brachte den Durchbruch. Seitdem ist das Kolossalwerk auf den britischen Inseln ebenso beliebt wie Händels „Messias“ oder Mendelssohn Bartholdys „Elias“. In Deutschland ist es jedoch nur selten zu hören. Dabei ist für jeden Geschmack etwas dabei: Von Wagner über Verdi und Gounod, anglikanische Choräle, Militärmusik und viktorianische Music-Hall-Klänge mischt Elgar die gesamte Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts fröhlich durch. Oft wird „Gerontius“ als englisches Gegenstück zu Wagners „Parsifal“ genannt. Das ist zwar Unfug, aber katholischer als das Bühnenweihfestspiel ist das Oratorium allemal. Uwe Friedrich

Philharmonie, So 11.5., 16 Uhr, 13-28 € BH866

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