Phobien, überall Phobien : Glosse: Hasen in Erdnussbutter

Bald schlagen die Wespenphobiker wieder hektisch um sich. Doch sie können sich trösten, es gibt noch viel schlimmere Ängste, vor Hasen, Schülern und Erdnussbutter zum Beispiel.

Nun werden sie bald wieder ausschwärmen, werden brummen und tönen und nerven, und wenn es ihnen passt, auch zustechen. Die Wespenphobiker, diese bedauernswerten Menschen, werden hektisch um sich schlagen (wovon dringend abzuraten ist, weil das die Viecher erst richtig wild macht) oder schweißgebadet (wovon auch dringend abzuraten ist, weil der Schweiß die Viecher völlig wepsig macht) und angsterfüllt hinter der Erdbeertorte sitzen und sich nicht hineinzubeißen trauen (ohnehin ist von Erdbeertorte dringend abzuraten, Süßes macht die Wespen gierig). Phobiker sind, um im Tierreich zu bleiben, arme Säue. Sie wissen, dass ihre Angst meist unbegründet ist. Aber was ist mit dem einen Fall außerhalb von meist, was, wenn der Dobermann eben nicht nur spielen und die Wespe eben nicht nur herumsirren will?

Keine Ahnung, was Hasen machen, wenn sie nicht nur mümmeln wollen. Immerhin können sie eine Phobie auslösen. Zumindest wird in Vechta in Niedersachsen derzeit der Fall einer Lehrerin verhandelt, die nicht nachgesagt bekommen möchte, unter eben dieser Phobie zu leiden. Eine Schülerin hatte von dem Gerücht gehört, es verbreitet, woraufhin Mitschüler die Lehrerin mit Hasenzeichnungen auf der Tafel mobbten. Die Lehrerin erstattete Anzeige.

Bislang wurde an drei Tagen verhandelt. Das Gericht konnte in diesem Zeitraum noch nicht klären, ob die Lehrerin tatsächlich unter einer Hasenphobie leidet oder vielleicht doch nur auf den Vorruhestand aus ist. So oder so läuft die Sache schlecht für die Lehrerin. Hat sie diese seltene und sich an Ostertagen wahrscheinlich traumatisch und dramatisch verstärkende Furcht, wird sie wohl aus dem Schuldienst gezogen und muss sich in Behandlung begeben. Hat sie keine Angst vor Langohren, wird sie wohl auch aus dem Schuldienst entfernt, weil sie nicht in der Lage ist, mit den Streichen 16-jähriger Schüler fertig zu werden. Man müsste in diesem Fall von einer Schülerphobie sprechen, die genauso verheerend sein kann wie die Hippopotomonstrosesquippedaliophobie, der laut phobialist.com übergroßen Angst vor langen Wörtern oder wie die Arachibutyrophobie, hinter der die Angst steckt, dass Erdnussbutter am Gaumen kleben bleibt (ohnehin ist schon vom Geschmack her von Erdnussbutter dringend abzuraten).

Ob all diese ungewöhnlichen Panik-Ursachen den Wespenphobikern ein Trost sein können, sei dahingestellt. Zur Vorbereitung auf den Sommer und zur akustischen Abhärtung für die Wespenschwärme sei ihnen Fernsehen zu empfehlen. Vorzugsweise Südafrika. Bröööööö! Helmut Schümann

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