PHONOGRAPH : Erste Musikkonserve

Die jetzt veröffentlichten Tonaufnahmen wurden mit einem Phonographen erstellt. Dabei handelt es sich um das weltweit erste Gerät, das Klänge aufnehmen und später wiedergeben konnte. Wie auch bei anderen Erfindungen war der Phonograph nicht das Werk eines Einzelnen. Den Anfang machte Leon Scott, der 1857 einen „Phonautographen“ baute: Am Ende eines Aufnahmetrichters befand sich eine Membran, an der eine Schweinsborste befestigt war. Diese übertrug die schallbedingten Schwingungen auf ein rußgeschwärztes Papier, das per Handkurbel unter der Borste entlanggeführt wurde. Zum erneuten Abspielen war die Maschine gar nicht gedacht, sie sollte nur die Geräusche sichtbar machen. Gleichwohl gelang es unlängst Wissenschaftlern, die alten Zitterlinien mithilfe eines Computers in Töne „zurückzuübersetzen“.

Alexander Graham Bell konstruierte 1874 einen Phonautographen, für den Teile des Ohres einer menschlichen Leiche verwendet wurden.

1877 schließlich kündigte der Franzose Charles Cros ein neues Verfahren an, das Töne sowohl aufnehmen als auch abspielen konnte. Doch der Amerikaner Thomas Alva Edison war schneller und erfolgreicher. Im selben Jahr stellte er seinen Phonographen vor und meldete ihn zum Patent an.

Die Maschine bestand ebenfalls aus einem Empfangstrichter mit einer Membran. Am anderen Ende war eine dünne Nadel angebracht, die vom Schall mehr oder weniger stark ausgelenkt wurde. Während dieser Schwingung wurde eine Zinnfolie, die auf einen Zylinder gewickelt war, vorbeigeführt. Die Nadel drang mehr oder weniger tief in das weiche Zinn ein – die Töne waren archiviert. Die unterschiedlichen Tiefen der Zinnfurche waren jedoch bereits nach wenigen Malen Abspielen „ausgebügelt“, die Aufnahme gelöscht.

In den folgenden Jahren widmete sich Edison vorrangig der Glühlampe. Bell und zwei weitere Erfinder tüftelten weiter am Phonographen und ersetzten die Zinnfolie durch eine Wachsschicht. Edison wollte nicht kooperieren und brachte bald eine eigene Wachswalze auf den Markt. Die Zusammensetzung war streng geheim und wurde erst später durch Materialforscher entschlüsselt, berichtet Stephan Puille von der Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin. Es war ein Wachs, dem Metalle wie Natrium und Aluminium hinzugefügt worden waren. Zudem wurde die Abtastvorrichtung für den LautsprecherTeil verbessert. Statt einer spitzen Nadel, die die filigranen Wachsstrukturen rasch zerkratzen würde, wurde eine kleine Kugel verwendet, die durch die Furche glitt und die Höheninformationen in Klänge übersetzte. nes

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