PIANO-POPBen Folds spielt Nick Hornby : Du schreibst, ich singe

Es mutet erstmal wie eine Schnapsidee an, wenn einer der profiliertesten Songschreiber der Gegenwart Texte eines Fremdautors vertont. Wenn es sich bei Letzterem allerdings um den berühmten britischen Popliteraten Nick Hornby (Foto, rechts) handelt, wird schon eher ein Schuh draus. Hornby, dessen zweiter Roman „High Fidelity“ ja zu einem Schlüsselwerk der Nerd-Kultur der Neunziger avancierte, verdichtet die heiter-tragödische Substanz seiner Prosa zu präzisen Kurzgedichten über das zwischenmenschliche Scheitern und die allzu vergänglichen Triumphe seiner Allerweltsloser.

Idealer Rohstoff also für seinen Kumpel Ben Folds (links), den Hansdampf auf allen Pianotasten. Konnte man den 44-jährigen Amerikaner bislang als zappelphilippige Indie-Ausgabe von Billy Joel oder eine von der Bürde jahrzehntelanger Erfolge befreite Reinkarnation von Elton John einordnen, so beweist er bei der Vertonung der Hornby-Texte seine Meisterschaft auf dem Feld der musikalischen Camouflage. Ohnehin Vertreter einer an englischen Vorbildern geschulten Soundästhetik, gelingen ihm auf den elf Songs „Lonely Avenue“ kleine Pop-Vignetten von so dezidierter Britishness, dass sie auch auf den Spätwerken von Beatles oder Kinks einen würdigen Platz gefunden hätten. Nur bei „Saskia Hamilton“, Hornbys onomatopoetischer Ode an die gleichnamige Schriftstellerkollegin, steigert sich Ben Folds in einen verstörend lärmenden Rummelplatzfolk. Im Konzert dürfte Ben Folds aber den virtuosen Alleinunterhalter geben und, sein Piano mit allen zur Verfügung stehenden Gliedmaßen traktierend, Breitseiten aus seinem gut 150 Songs umfassenden Repertoire abfeuern. Jörg Wunder

Huxleys Neue Welt, Do 3.3., 20 Uhr, 27-30 €

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