Zeitung Heute : Pikantes Krabbel-Allerlei

Auch in Deutschland kommen Insekten auf den Tisch

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Wenn sich ein Insekt in eine Restaurantküche verirrt oder sogar über den gedeckten Tisch krabbelt, dann ist das kein gutes Zeichen für das Lokal. Unter normalen Umständen und in mitteleuropäischen Ländern zumindest. In Thailand oder auch in Mexiko sind geröstete und frittierte Heuschrecken aber als Snack durchaus beliebt (siehe Foto).

Nahrhaft sind die Krabbeltiere allemal: Heuschrecken bestehen beispielsweise zu 12,9 Prozent aus Eiweiß, zu 8,6 Prozent aus Fett und zu 5,1 Prozent aus Kohlenhydraten. Außerdem enthalten sie mehr Calcium und Eisen als Hackfleisch.

„Heuschrecken haben einen leicht nussigen Geschmack, ein bisschen wie Popcorn – oder wenn man sie richtig würzt, schmecken sie wie knusprige Hähnchenbrust,“ findet Frank Ochmann. Deutschlands einziger Insektenkoch hält die Kerbtiere für das Lebensmittel der Zukunft. Seit drei Jahren stellt er im Soda-Restaurant in der Berliner KulturBrauerei eine eigene Insekten-Speisekarte zusammen. Die „Süßen Hüpfer“, Wüstenheuschrecken im Schokoladenmantel, sind seine eigene Erfindung. Beliebt ist bei den Gästen auch das „Krabbel-Allerlei“, ein Salat mit gegrillten Insekten für 8,90 Euro. Ochmann kauft die lebenden Heuschrecken von einem Berliner Insektenhändler. „Im Einkauf kosten Heuschrecken 50 Cent pro Stück. Das ist ungefähr die selbe Preisklasse wie Hummer oder Kaviar.“

Eine etwas andere Wahrnehmung hatte Tagesspiegel-Gastro-Kritikerin Elisabeth Binder:

„Es war bei einem Empfang im damals noch existierenden Friseursalon von Gerhard Meir im Adlon. Da gab es Opernarien, bunte Cocktails, Kartoffeltrüffelsuppe, die aus Zahnpastatuben in winzige Espressotässchen gequetscht werden musste, und frittierte Heuschrecken an Spießchen. Sie waren ästhetisch korrekt zurechtgemacht und schmeckten ein bisschen wie Salzstangen für Extremgourmets. Von fern erinnerte der erste Biss an dünnes Hartplastik, es ließ sich dann sogar zerkauen, war aber gewiss keine Schmeicheleinheit für den Gaumen. Der untere Teil war knackiger, salziger, innen eher weich. Man nimmt mit Pokerface mindestens drei Spießchen hintereinander und tröstet sich mit dem hohen Proteingehalt.“ LJS

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