Zeitung Heute : Pille statt Pasta

Zwei Brüder aus Berlin haben eine Marktlücke aufgetan: Tabletten für die Zahnpflege

Ina Brzoska

Axel und Matthias Kaiser haben Schaum vorm Mund. Nicht vor Wut, sondern als Missionare einer neuen Art von Zahnpflege. „Kauen, warten bis es schäumt und dann schrubben – so funktioniert der Denttab“, erklärt Axel Kaiser. Seit drei Jahren verkaufen die Brüder die erste Pille gegen Karies. Nicht größer als eine Aspirintablette ist das der Tab, etwas mehlig schmeckt er.

„Der Denttab besteht nur aus sieben Inhaltsstoffen, im Gegensatz zu Zahnpasta, in denen bis zu hundert Substanzen enthalten sein können“, sagt Axel Kaiser, der Elektrotechniker ist bei der Firma ProDentum für das Marketing verantwortlich. Das Hauptgeschäft machen die Kaiser-Brüder mit der Herstellung von Zahnersatz. Mittlerweile rentiert sich aber auch die Investition in das skurrile Nebenprodukt.

Das ist nicht zuletzt auf Verkaufstalent zurückzuführen. Ohne Konservierungsstoffe, Feuchthaltemittel und Keimhemmer seien Denttabs die Öko-Variante zur Zahnpasta, wirbt Kaiser. Die Idee der wasserfreien Zahnpflege stammt vom Zahnmediziner Peter Gängler. Der Berliner Zahnarzt Hendrik Eifler entwickelte im Dentallabor der Kaiser-Brüder in Wedding während seiner Promotion erste Prototypen. Die Erfindung weckte den Unternehmergeist der Brüder. Sie waren sich sicher: Das ist eine Marktlücke.

Heute verkaufen die Brüder rund 1,5 Millionen Tabletten im Monat. Tausend Packungen gehen übers Internet an Privatkunden. 3000 weitere kaufen Händler und Großabnehmer – unter ihnen Apotheker, Zahnärzte, große Internetanbieter wie Manufactum aber auch die Bäckerei um die Ecke. „Über das Internet erreichen uns Kunden aus der ganzen Welt“, schwärmt Axel Kaiser. Erst kürzlich habe ein Scheich aus Saudi-Arabien eine ganze Charge bestellt.

Von der Idee bis zum Produkt war es jedoch ein steiniger Weg. Mit 10 000 Mark ließen sie sich die Brüder die Produktidee patentieren und gingen zu Haupt, einem führenden Auftragshersteller für Arzneimittel aus Neukölln. Das staubige Granulat ließ sich aber nur schwer in Tabletten pressen, also kauften die Brüder noch ein Produktionsverfahren dazu.

Seit 2003 laufen die Zahnputztabletten vom Band. Acht Studenten von der Berliner Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) entwarfen ein Marketingkonzept und setzten auf den Vertriebskanal Internet. Es funktionierte: Erhältlich ist die Zahnputztablette seitdem in über 16 Online-Shops – unter anderem bei Rossmann. Zwei Studenten sind seit zwei Jahren bei ProDentum fest angestellt. „Gute Ideen zahlen sich aus“, sagt Matthias Kaiser. „Besonders, wenn man auf funktionierende Netzwerke zurückgreifen kann.“

www.denttabs.de

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