Zeitung Heute : Piraten ohne Chance

Digitales Kino in Südost-Asien: Mittels moderner Technik kann im entlegensten Dorf ein Film zur gleichen Zeit starten wie in der Stadt

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Von Thomas Steiger Den größten Nutzen aus dem digitalen Kino ziehen Staaten mit einer großen Landbevölkerung. Mit Hilfe der digitalen Übertragung via Satellit oder Breitbandkabel kann auch noch im unzugänglichsten Dorf ein Film zur gleichen Zeit starten wie in der Stadt. In Indien ist der Kinobesuch in ländlichen Gegenden mit digitalen Projektoren bereits deutlich angestiegen. Im Staat Maharashtra stieg die KinoAuslastung von acht auf 43 Prozent.

Mit dem massenhaften gleichzeitigen Start eines Films kann auch wirksam der Filmpiraterie begegnet werden. Die sofortige Verfügbarkeit eines Films in sehr guter Qualität ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil gegenüber der Raubkopie, die meist auf im Kino abgefilmten Videobändern basiert. Während Indien mit der digitalen Projektion seinen rückläufigen Kinobesuch kontern kann, ist China ohnehin schlecht mit Kinos ausgestattet, eine Erhöhung der Kapazitäten also dringendst notwendig.

Noch verfügen Indien und China mit ihren jeweils über eine Milliarde Einwohnern nur über 101 bzw. 182 Kinos mit digitaler Projektion. Bis 2009 soll China über mehr als 2500 digitale Projektoren verfügen, wobei China anstrebt dem technischen Standard der USA zumindest Gleichwertiges entgegensetzen zu können. In China, Korea und Singapur, das die höchste Pro-Kopf-Dichte an digitalen Kinos aufweist, wird die Umstellung auf hochwertiges D-Cinema vom Staat massiv gefördert. Die südkoreanische Regierung gibt zwischen 2005 und 2007 etwas mehr als 30 Millionen Euro für die Umrüstung auf digitale Projektion und andere Aktivitäten im Bereich des digitalen Kinos aus.

In Japan profitieren die Studios von der digitalen Projektion, da sie auch Kinos besitzen dürfen. Der durchgängige digitalen Arbeitsprozess von der Aufnahme, Nachbearbeitung, Verschickung bis zum Abspiel spart den Studios enorme Kosten, weshalb sie bereitwillig ihre Kinos mit hochwertigen Projektoren ausrüsten.

Indien hingegen setzt fast ausschließlich auf E-Cinema, das technisch deutlich hinter der Qualität des von den USA gesetzten Standards zurückbleibt. Da in Indien aber kaum US-Filme laufen (höchstens fünf Prozent der rund 850 jährlich herausgebrachten Filme), ist für indische Kinobesitzer die kostengünstige Alternative fast zwangsläufig, da kein Zwang zu teuren Projektoren besteht und die Günstigen dem Vergleich meist standhalten können. Die heute in Indien existierenden 99 E-Cinema-Projektoren sind von einem privaten Investor angeschafft worden. Bis 2008 so schätzt die britische Dodona Research, werden 18 Prozent der südostasiatischen Leinwände mit digitalen Projektoren ausgestattet sein.

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