Zeitung Heute : Piratensender Twen FM gelangt auf Umwegen in den Offenen Kanal

Stefanie Hornig

"Wir machen Radio im Internet und zugleich im Fernsehen." So definieren die Macher von Radio Twen FM das, was sie derzeit Nacht für Nacht um den Schlaf bringt: Der ehemalige Berliner Piratensender ist sesshaft geworden und sendet nun, ganz legal, täglich zwischen Mitternacht und 2 Uhr im Internet. Doch das ist noch nicht alles - das kreative Zusammenspiel aus Radio und Internet kann auch noch von rund 1,3 Millionen Zuschauern im Fernsehen verfolgt werden. Der Kulturserver überträgt das Programm auf die Kabelfrequenz des Offenen Kanal Berlin. Der OKB selbst schätzt die Zuschauerzahlen zur mitternächtlichen Sendezeit auf 20 000. Die aktiven Teilnehmer im Internet sind präziser messbar: 60 Leute klinken sich pro Sendung ein.

Durch die Zusammenarbeit mit dem Kulturserver haben die Radiomacher von Twen FM jetzt einen festen Sendeplatz und bewegen sich auf dem Boden der Legalität; zugleich sind sie mit ihrer Arbeit nun nicht mehr alleine. Durch das Internet wird ein interaktives Programm möglich, das auch Zuhörer und Zuschauer direkt mitgestalten können, indem sie Musik, Bilder, Texte oder Chat-Beiträge live ins Netz hochladen. Auf der Internet-Seite erscheinen parallel mehrere Fenster: Eins, in dem man den DJ via Webcam beobachten kann, ein weiteres Chat-Fenster und eines, in das beliebige Bilder eingestellt werden können.

Die Idee zur Zusammenarbeit kam vom Kulturserver. Das Netzwerk für Kunst wird vom Kulturamt Mitte gefördert. Grundgedanke des Kulturservers ist, jedem Kulturschaffenden eine Plattform zu bieten, auf der er kostenlos diskutieren, sich artikulieren und informieren kann. Seit dem 1. April kann man jetzt täglich unter den Internet-Adressen www.twenfm.de oder www.kulturserver.de die Sendung verfolgen und an ihr teilnehmen. Die ersten zehn Tage wurde noch die Wohnung des Sendeverantwortlichen Klaas Glenewinkel für die Produktion umfunktioniert. Inzwischen haben die Programmmacher ihre neuen Räume im Kulturamt Mitte in der Torstraße 172 in Betrieb genommen. Wer am Programm teilnehmen möchte, aber technisch nicht entsprechenden ausgestattet ist, kann auch in der Redaktion vorbeikommen und seine Beiträge einspeisen.

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