Zeitung Heute : PLÄDOYER FÜR DIE GANZTAGSSCHULE

Uwe Schlicht

Aus den oben beschriebenen Befunden könnten Erkenntnisse für Schulreformen gewonnen werden. Eine Antwort läge in der möglichst breiten Umstellung der Schulen auf Ganztagesbetrieb – in der Umstellung aller Schultypen, also nicht nur der Grundschulen. So könnten Jugendliche von 13 bis 16 Uhr mit sinnvollen Freizeitangeboten beschäftigt werden. Die Angebote könnten nicht nur in zusätzlicher klassischer Lernzeit bestehen. Wichtiger wäre es, Jugendliche an Hobbys und Interessengebiete jenseits des Fernsehens heranzuführen: Sport unter Mithilfe der Vereine, kreative Tätigkeiten wie Musizieren, Malen, Basteln und Werken, Töpfern oder die Vorbereitung von Sketchen und Theateraufführungen. Auch Werkstätten, in denen Schüler ihre Fahrräder reparieren oder erste technische und handwerkliche Fähigkeiten erproben, können die Lernbereitschaft ungemein fördern.

Die räumlichen Voraussetzungen für solche Ganztagsangebote zu schaffen, ist das Ziel des Vier-Milliarden-Programms der ehemalige Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD).

Die CDU-regierten Länder schlossen sich dem Angebot zunächst nur murrend an. Zwei Gründe waren dafür ausschlaggebend: Die Länder müssen die Personalausstattung für Ganztagsschulen übernehmen, und in der CDU halten viele noch immer die heile Familie aus Oberbayern für den Normalfall. Motto: Am Nachmittag gehört das Kind in die Familie und nicht in die Schule.

Inzwischen ist aber ein großer Teil des Milliardenprogramms abgerufen worden. Es entstanden luftige schöne Mensen aus Holz und Glas, es wurden Materialien angeschafft, die für die Nachmittagsbeschäftigung gebraucht werden. Allerdings beklagen viele Schulen, dass die Kinder in den neuen Horten weniger Platz und weniger Personal haben als in den alten Kita-Häusern.

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