Zeitung Heute : Plagiatsvorwürfe gegen Schavan

Anonyme Beschuldigungen im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit – Bildungsministerin wehrt sich.

Berlin - Bundesbildungsministerin Annette Schavan wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe. Auf der Internetseite „Schavanplag“ wirft ein anonymer Kritiker der CDU-Politikerin vor, in ihrer Dissertation an zahlreichen Stellen nicht korrekt zitiert zu haben. Auf 56 der 325 Seiten ihrer Dissertation habe Schavan Gedankengänge anderer Wissenschaftler paraphrasiert, dies aber nicht angemessen kenntlich gemacht. Der Blogger, der am Mittwoch unter dem Namen „Robert Schmidt“ mehrere Medien auf seine Internetseite hinwies, stellt die vermeintlich betroffenen Passagen jeweils den von ihm vermuteten Quellen gegenüber. Darunter sind sechs Fundstellen, die er für „herausragend“ hält.

Schavan hat ihre Dissertation 1980 im Fach Erziehungswissenschaft an der Universität Düsseldorf eingereicht. Für die Arbeit mit dem Titel „Person und Gewissen – Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen“ erhielt sie die zweitbeste Note „magna cum laude“.

Schavan wies die Plagiatsvorwürfe zurück. Sie habe ihr Thema „damals sehr genau bearbeitet“ und die Dissertation „nach bestem Wissen und Gewissen“ geschrieben, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“. Für die Arbeit mit Quellen habe sie einen Zettelkasten verwendet, den sie noch heute besitze. Man könne aber nie ausschließen, dass ähnliche Gedanken oder Formulierungen auch in anderen Werken stünden. Die Uni Düsseldorf teilte mit, sie werde das „übliche Verfahren“ einleiten. Die zuständige Promotionskommission soll die Vorwürfe prüfen. Das entspreche „auch der Bitte von Frau Prof. Schavan“. Die Berliner Plagiatsspezialistin Debora Weber-Wulff sagte dem Tagesspiegel, die Plattform „Vroniplag“ habe sich auch mit Schavans Arbeit beschäftigt. Man sei aber zu dem Schluss gekommen, der Fall sei nicht gravierend genug, um ihn öffentlich zu machen.

Die Opposition forderte Schavan zur Aufklärung auf. „Ministerin Schavan muss die gegen sie erhobenen Vorwürfe restlos aufklären. Gerade eine Wissenschaftsministerin muss Vorbild für Promovierende sein und daher alle Zweifel aus der Welt räumen“, sagte der bildungspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Kai Gehring. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Ernst Dieter Rossmann, sagte: „Ich hoffe, dass da nichts dran ist. Geklärt werden muss es aber in einem wissenschaftlichen Prüfverfahren, wenn da über die anonymen Anschuldigungen hinaus mehr Substanz sein sollte.“ In ihrem Regierungsamt gilt die stellvertretende CDU-Vorsitzende als Hüterin der Normen für wissenschaftliche Arbeiten. Ein Plagiatseingeständnis würde einen Verbleib im Amt infrage stellen. Schavan hatte zur Plagiatsaffäre ihres Kabinettskollegen Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gesagt: „Ich schäme mich nicht nur heimlich.“ Am Tag darauf war dieser zurückgetreten.

Zuletzt hatte der Berliner CDU-Fraktionschef Florian Graf wegen Plagiatsvorwürfen die Aberkennung seines Doktortitels beantragt. Am Mittwoch entschied die Uni Potsdam, ihm den Titel zu entziehen. An diesem Donnerstag will Graf in der Fraktion die Vertrauensfrage stellen.

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