Zeitung Heute : Planen, bauen, klagen

Wenn die Bauausführung zu wünschen übrig lässt, ist der Architekt der erste Ansprechpartner

Katrin Dittert
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Keine Bauabnahme ohne Begehung und Protokoll. Der Architekt übernimmt für seine vertraglich vereinbarten Tätigkeiten, zum Beispiel...vario images

Am Anfang steht die Idee. Für die Umsetzung bedarf es jedoch meist der Unterstützung eines Fachmanns. So wird bei Bauvorhaben für die Planung und Überwachung meist ein Architekt beauftragt. Doch wie groß ist das Entsetzen, wenn man nach der Bauausführung feststellen muss, dass sich der Architekt verplant hat? Ein Szenario, das leider zu oft auftritt, die Gemüter erregt und zu Rechtsstreitigkeiten über diese Frage führt: Für was muss der Architekt wie weit haften?

Generell haftet der Architekt dem Bauherrn im vollen Umfang für seine vertraglich vereinbarten Leistungen. Ob daneben auch der Bauausführende herangezogen werden kann, ist unerheblich.

Die Möglichkeiten der Haftung sind vielseitig. Im Planungsbereich kommen vorrangig nicht genehmigungsfähige Bauten, allgemeine Mängel und eine nachträgliche Kostenexplosion in Betracht. Bei der Ausführung geht es oft um die unzureichende Kontrolle der fachlichen Qualität, die Überschreitung des Zeitrahmens und die unzureichende Herstellung und Überwachung der Verkehrssicherheit.

Die Haftung des Architekten geht dabei so weit, dass selbst wenn der Bauherr, z. B. wegen Zeitdrucks, mit einer fehlerhaften Planung und Ausführung einverstanden ist oder sie gar verlangt, der Architekt nur aus der Haftung kommt, wenn er den Bauherrn deutlich und ausführlich Bedeutung und Tragweite der fehlerhaften Ausführung aufgezeigt hat.

Aber auch im Verhältnis zum Handwerker ist der Architekt fast immer der Hauptverantwortliche. Wird nach seiner Fehlplanung unbeanstandet ausgeführt, obwohl der Bauunternehmer die Unzulänglichkeiten der planerischen Vorgaben erkennt, überwiegt zumeist die Schuld des Planers.

„Während sich die Rechtsprechung bislang nicht gerade architektenfreundlich zeigt, wird der Haftungsumfang durch den Anstieg der Baukosten sowie immer aufwendigere und kompliziertere Bauverfahren nach oben getrieben“, sagt Ingo Bethke, Mitglied der Geschäftsleitung der Prinz von Preußen Grundbesitz AG.

Für den Umfang des Haftungsanspruches des Bauherrn gilt grundsätzlich: Nachbesserung vor Schadensersatz. Das bedeutet, dass dem „verplanten“ Architekten zunächst die Möglichkeit gegeben werden muss, seinen Fehler bildlich auszuradieren und zu korrigieren. Erst wenn die Nacherfüllung misslingt oder der Architekt sie endgültig ablehnt, ist Raum für einen anderweitigen Ersatzanspruch.

„Haben sich Mängel der Planung oder Bauüberwachung bereits im Bauwerk verkörpert, setzt der Schadensersatzanspruch gegen den Architekten grundsätzlich nicht voraus, dass diesem Gelegenheit gegeben wurde, die Mängel seiner Planung oder des Bauwerks zu beseitigen“, stellte jedoch der Bundesgerichtshof in seinem Urteil vom 11.10.2007 zum AZ VII ZR 65/06 klar.

Stellt also der Bauherr nach Fertigstellung des Gewerks fest, dass dieses die nach dem Vertrag oder der gewöhnlichen Verwendung vorausgesetzte oder vertraglich vereinbarte Beschaffenheit nicht aufweist, wäre ein Anspruch gegen den Architekten auf fehlerlose Planung sinnlos. Der Auftraggeber ist vielmehr gleich zur Schadensersatzforderung berechtigt.

Der Architekt kann sich der Haftung auch dann nicht entziehen, wenn er die Leistungen unentgeltlich als Gefälligkeit übernommen hat. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung für den Bauherrn beruhen Architektenleistungen in der Regel auf einer rechtlichen Bindung der Beteiligten und begründet daher im Falle einer Schlechterfüllung Gewährleistungs- und Schadensersatzansprüche.

Dieser weitgehende Bauherrenschutz macht eine exakte Arbeit des Architekten unerlässlich und ständige Selbst- und Drittkontrolle notwendig.

Ingo Bethke ist jedoch der Meinung, „dass das hohe Haftungsrisiko, das nicht immer umfassend durch entsprechenden Versicherungsschutz abdeckbar ist, im Ergebnis zu besseren Leistungen in der Branche führt. Denn wer viel falsch machen kann, strengt sich bekanntlich auch mehr an.“

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