Zeitung Heute : Planer wussten von Dioxin

Der Tagesspiegel

Auf dem Dioxin-belasteten Gelände einer ehemaligen Kläranlage soll nach den Plänen der Flughafengesellschaft der Aufsetzpunkt der künftigen Landebahn entstehen. Deshalb will die Flughafengesellschaft das Grundstück kaufen. Es sei bekannt gewesen, dass sich im Boden das hochgiftige Dioxin und Schwermetalle finden, sagte der Sprecher der Planungsgesellschaft, Burkhard Kieker. Dies sei auch so im Genehmigungsantrag vermerkt. Dass jedoch auch der benachbarte Tümpel verseucht ist, hatte die Planer, wie berichtet, dagegen überrascht.

Vor dem Kauf hatte die Flughafengesellschaft den Boden untersuchen lassen. Im Genehmigungsverfahren reiche es aus, auf die belasteten Flächen hinzuweisen, sagte Kieker. Wo genauer untersucht werden sollte, habe man mit den Behörden abgestimmt. 32,5 Millionen Euro sind für die Bodensanierung auf dem bestehenden und dem künftigen Flughafengelände vorgesehen. Die Arbeiten sollten parallel zu den Bauarbeiten erfolgen. Jetzt prüfe der Landkreis Dahme-Spreewald, ob die Arbeiten vorgezogen werden müssen, sagte der stellvertretende Landrat Stephan Loge.

Am 14. März stellte der Gutachter nach Kiekers Angaben das Ergebnis der neuen Messungen vor. Danach ist der ermittelte Wert doppelt so hoch, wie er für eine Industriefläche zulässig sei. Den Grenzwert für Wohngebiete überschreitet er um das 22-fache. Einen Tag später habe die Flughafengesellschaft dann den Landkreis Dahme-Spreewald informiert, der die etwa 50 mal 60 Meter große Fläche einzäunen ließ – dem Vernehmen nach gegen den Widerstand des Eigentümers, eines Flughafengegners. Im ebenfalls untersuchten Grundwasser habe man kein Dioxin festgestellt, so Kieker weiter.

Das Gift stammt , wie berichtet, aus einem russischen Desinfektionsmittel für Toiletten in den Flugzeugen, das bis zur Wende von osteuropäischen Fluggesellschaften verwendet wurde. Zusammen mit anderen Stoffen habe das Mittel in dem Klärwerk zu einer chemischen Reaktion geführt, wodurch am Ende das Dioxin entstanden sei, sagte Kieker.

Der für die Kläranlage zuständige Märkische Abwasserverband wollte die Flughafengesellschaft für das Beseitigen der giftigen Abfälle in dem hochgeschichteten Klärschlamm zur Kasse bitten, verlor jedoch vor Gericht und blieb auf den Kosten in Höhe von etwa 2,55 Millionen Euro sitzen. Das Land gewährte lediglich ein zinsloses Darlehen, das nach Angaben des Verbandes jetzt fällig wird. kt

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben