Zeitung Heute : PlanetHome: "Nirgendwo gibt es Baugeld so schnell."

PlanetHome ist ein weiterer Anbieter von Online-Di

Für die Rückendeckung des Immobilien-Dienstleisters sorgt das Startkapital seiner starken Mutter: die HypoVereinsbank.

Dr. Ralph Müller ist Vorstandssprecher von PlanetHome. Der Immobilien-Finanzierer verspricht seinen Kunden einen rechtskräftigen Vertragsabschluss binnen 48 Stunden.

PlanetHome ist ein weiterer Anbieter von Online-Diensten für

Immobilien-Interessenten. Seit wann gibt es das Unternehmen und welche Zielgruppen haben Sie im Auge?

Seit September sind wir Online. Wir sind eine hundertprozentige Tochter der HypoVereinsbank. Aber das bedeutet nicht, dass wir nur Dienste für unsere Gesellschafterin erbringen. Wir sind ein reines B2C-Unternehmen, richten uns also an die Endkunden, und diese können bei uns alle Dienste rund um die Immobilie abrufen.

Dazu zählen zum Beispiel Baufinanzierungen. Das bieten viele. Wodurch unterscheiden Sie sich?

Der Kunde hat die Auswahl unter den Angeboten von 20 Kredithäusern. Dazu zählen die Großbanken, wir vermitteln zum Beispiel Kredite für eine Tochter der Dresdner Bank, aber ebenso für Sparkassen, Volksbanken und regionale Landesbanken, also für einen breiten Querschnitt des Kreditgewerbes in Deutschland. Das ist deshalb notwendig, weil einzelne Geldhäuser ihr Angebot auf bestimmte Zielgruppen ausrichten. Die einen bieten ausschließlich Standard-Finanzierungen an, die anderen maßgeschneiderte Lösungen. Dritte drängen als so genannte Preisbrecher auf den Markt. Neben diesem breiten Angebot ist Qualität ein wichtiges Kriterium. Deshalb bieten wir Service und bearbeiten die Anträge schnell. Unsere Kunden erhalten bereits beim ersten Kontakt im Internet die verbindliche Zusage einer bestimmten Finanzierungs-Kondition. Das erfolgt alles Online. Der Kunde gibt die Angaben zu seiner Person, zu seinem Verdienst, zum Objekt seiner Wahl, zum Kaufpreis und zur Finanzierungssumme ein, unsere Rechner werfen daraufhin die Zinskonditionen einer der Banken aus unserem Angebot aus. Gefällt dem Kunden das Angebot, dann kann er sich den Finanzierungsvertrag auf dem eigenen Drucker ausgeben lassen. Er überprüft noch einmal die Daten, unterschreibt den Vertrag, und wenn diese Papierform innerhalb von 48 Stunden bei der Bank ist, dann ist der Vertrag mit den Online-Konditionen rechtskräftig.

Ist es auszuschließen, dass der Kunde plötzlich einen neuen Vertrag mit anderen Konditionen zurückgeschickt bekommt?

Ja. Dabei gibt es aber einen Vorbehalt. Entsprachen die Angaben des Kunden nicht der Wahrheit, dann ist der Vertrag ungültig, wenn beispielsweise die Angaben zu den Einkünften nicht mit dem Lohnabrechnungsbogen des Arbeitgebers übereinstimmen. Damit verhält es sich aber auch nicht anders, wenn er einen Kreditvertrag in einer Bankfiliale unterschreibt. Solche Verträge gelten immer vorbehaltlich der Überprüfung. Doch bei uns ist es anders als am Schalter. Es gibt nirgendwo so schnell Baugeld wie bei uns. Das Verfahren wäre höchstens noch dadurch zu beschleunigen, dass digitale Signaturen rechtlich Bestand haben. Das wird aber nicht innerhalb der kommenden zwei Jahren der Fall sein, weil die gesetzlichen Voraussetzungen dafür erst geschaffen werden müssen.

Inzwischen gibt es viele Online-Finanzierer. Wie stehen Sie im Wettbewerb da?

Bei den Rankings mit dem Titel "Was kostet die Baufinanzierung" sind wir immer auf den vorderen Plätzen gelistet. Dies ist eine aktuelle Momentaufnahme. Beim Vergleich von Anbietern ist aber nicht nur die im Netz gerade feilgebotene Kondition wichtig, sondern auch die Art und Weise, wie eine Finanzierung zustande kommt. Wir sind die einzigen, die unseren Kunden einen sofortigen Vertragsabschluss bieten. Andere Vermittler bieten unverbindliche Konditionen. Auch der Vertragsabschluss ist bei anderen schwieriger. Dort druckt der Kunde den Antrag aus, schickt ihn den Vermittlern, diese leiten die Unterlagen an die Bank weiter. Dann erst prüft das Kredithaus die Angaben des Kunden. Fällt er durch das Prüfraster, dann springt eine andere Bank ein, oft aber nicht zu den im Internet gebotenen Konditionen. Die eine Bank finanziert keine Selbständigen, andere verlangen hohe Einkommen, wieder andere akzeptieren keine Schulden des Kreditnehmers. Dies alles kann bei uns nicht passieren, weil die Vergabekriterien der Banken, die an unserem neuen Prozess beteiligt sind, auf unserem Server liegen. Der Kunde erfährt schon beim Ausfüllen des Antrags, ob er den Richtlinien genügt oder nicht.

Einige Online-Anbieter bieten Dumping-Zinsen weit unter Markt. Die subventionieren sie mit Risikokapital. Tun Sie das auch?

Definitiv nicht. Aus meiner Sicht bringt die Subventionierung von Konditionen nichts, denn diese Strategie kann nicht lange durchgehalten werden. Damit wäre das Geschäft absolut unrentabel und die Überlebenschancen am Markt gering. Wir können günstige Konditionen auch ohne Zuschuss bieten, weil wir für die Banken ein großes Kreditvolumen vermitteln. Zudem bieten wir den Banken wie den Kreditnehmern dauerhaft gute Qualität. Durch unser neues Verfahren ist die Stornierungsquote gering, weil der Kreditvertrag binnen 48 Stunden von beiden Partnern unterzeichnet ist. Beim herkömmlichen Verfahren vergehen unter Umständen ein bis zwei Wochen bis zur Unterzeichnung. In dieser Zeit kann sich der Markt schon mal nach oben bewegen oder Aktionswochen sind zu Ende.

So groß kann das von Ihnen vermittelte Kreditvolumen aber nicht sein, wenn Sie erst wenige Monate am Markt sind. Wie langfristig wird es Ihr Unternehmen überhaupt geben angesichts des scharfen Wettbewerbs im Online-Geschäft?

Wenn Deutschlands größter Immobilien-Finanzierer einen Internet-Dienstleister gründet, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Schließung viel kleiner als bei anderen Start-Ups. Unsere Mutter hat uns mit einem Startkapital von über 100 Millionen Mark ausgestattet. Zusätzlich haben wir ein Grundkapital von 10 Millionen Mark. Das zeigt, dass eine große Ernsthaftigkeit hinter der Unternehmung steht. Wir werden mittelfristig in zwei bis drei Jahren an die Börse gehen. Wir sind definitiv keines der Start-Ups, die ihr Konzept schnell an den Markt bringen wollen, um an der Börse abzukassieren. Wir streben Wirtschaftlichkeit an. Unser Geschäftsmodell beruht auf Provisionseinnahmen aus drei Geschäftsbereichen, unter anderem die Finanzierung. Im ersten Jahr unseres Bestehens werden wir sicherlich gut tausend Finanzierungen vermitteln. Unter unseren knapp 50 Mitarbeitern sind eine Reihe von Kollegen aus dem Stammhaus unserer Mutter und diese haben teilweise 12 Jahre Erfahrung mit Immobilienfinanzierungen.

Einige Kunden von Online-Finanzierern beklagen, dass sie keine Beratung bieten. Ist das bei Ihnen auch so?

Wir haben keine Banklizenz, dürfen daher auch keine Beratung durchführen, wie sie Filialen von Kredithäusern bieten. Dafür liefern unsere Websites reichlich Informationen. Zudem steht unseren Kunden ein Call-Center zur Verfügung. Hier beantworten Spezialisten Fragen zur Ausfüllung von Feldern in den Finanzierungsanträgen.

Sie wollen nicht nur Finanzierer sein, sondern alle Leistungen rund um die Immobilie anbieten. Was zählt noch dazu?

Die Vermittlung von Immobilien und so genannte Zusatzservices. Bei der Vermittlung arbeiten wir zum Beispiel mit Print-Medien zusammen, darunter auch dem Tagesspiegel. Insgesamt sind 40 000 Immobilien in unserem Angebot, und wir arbeiten die Objekte so auf, dass der Käufer einen umfassenden Eindruck davon erhält. Er kann virtuell durch die Straße navigieren, in der die Immobilie steht, und er kann sich Videos der Objekte ansehen. Wir bieten ferner Daten zur Sozio- und Infrastruktur im Umfeld der Immobilie. Dazu zählen Kaufkraft und Einwohnerdichte, Bebauungsdichte und Typ. Der Käufer erfährt also, ob Einfamilienhäuser oder Mehrgeschosser im Umfeld stehen, ob es ein Krankenhaus, eine Bushaltestelle oder einen Kindergarten gibt, er bekommt einen umfassenden Überblick über die Lage. Für die Inserenten ist das kostenlos. Wir können diesen Service bieten, weil wir die Nutzungsrechte an den Videosequenzen aller Straßen der 35 größeren deutschen Städte für zwei Jahre als einziger Anbieter im Immobilienbereich erworben haben. Wenn jemand ein Objekt ins Netz stellt, Unter den Linden 17 zum Beispiel, dann wird die Immobilie automatisch mit den entsprechenden Daten und der Videosequenz verknüpft. Darüber hinaus kann der Kunde eigene Bilder seines Objektes ins Netz stellen, zum Beispiel Innenaufnahmen der Wohnung.

Und was steckt hinter den Zusatzservices?

Zum Beispiel die Online-Ermittlung des Wertes der Immobilie. Der Interessent gibt die Rahmendaten ein, und wir sagen ihm, zu welchem Preis die Immobilie am Markt gehandelt wird. Unter Services stehen ferner die Mietpreis-Spiegel in Ballungsgebieten ebenso wie die Angebote von Versicherern und Umzugsfirmen. Zudem bereiten wir eine Rechtsberatung vor zur Prüfung von Kaufverträgen. Abruf und Auswahl der Dienste ist für den Kunden kostenlos. Zudem haben wir es uns zum Grundsatz gemacht, dass die feilgebotenen Dienste 10 bis 20 Prozent günstiger sind als anderswo.

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