Zeitung Heute : Platz ist in der kleinsten Hütte

Tierisch stylisch. Die Firma Best Friend’s Home gestaltet Hundehütten. Neben
Tierisch stylisch. Die Firma Best Friend’s Home gestaltet Hundehütten. Neben

Irgendwann hat André Heinermann zu Zettel und Stift gegriffen, und das Wunschgebäude für seinen Vierbeiner entworfen. Der Eventmanager wollte nicht länger hinnehmen, dass einfache, schmucklose Hundehütten das Designkonzept ihrer Herrchen und Frauchen unterlaufen. Die sich sonst nach Möglichkeit nur mit schönen Dingen umgeben. „Ich habe für meinen Hund dann eine Hütte im Bauhaus-Stil anfertigen lassen“, sagt Heinermann. Mit der Luxushütte entstand auch das Unternehmenskonzept für seine Firma Best Friend’s Home.

André Heinermann verkauft Luxusunterkünfte für Hunde – made in Germany. Im Angebot sind neben dem Bauhaus-Modell ein klassisches rotes Schwedenhaus, das üppige Südstaatenmodell „Alabama“, aus dem die Hunde repräsentativ herausschauen können, und ein Schlösschen in Schweinchenrosa, auf Wunsch mit Swarovski-Steinen verziert. Je nach Größe des Vierbeiners kosten die hölzernen Heime zwischen 1900 und 2900 Euro. Herrchen und Frauchen können aber auch völlig andere Entwürfe in Auftrag geben – zum Beispiel eine Minivariante des eigenen Zuhauses, das man sich in den Garten stellen und mit dem man auch die Nachbarn beeindrucken kann. Jedes Gebäude, das André Heinermann verkauft, ist ein Unikat. Deshalb dauert es einige Wochen, bis die Hütte im eigenen Garten aufgestellt werden kann. Dort kann das wetterfeste Holzhäuschen dann aber das ganze Jahr über stehen bleiben.

Dass der Luxus der neuen Hüttengeneration eher die Besitzer als die Tiere begeistert, ist dem Unternehmer klar. Und auch, dass sich der „beste Freund“ in seiner Behausung einfach wohl fühlen sollte: „Am Ende muss ein Hundehaus gut für den Hund sein. Und der braucht weder einen Internetanschluss noch durchgestylte Zimmer.“ Sein Hund sei auch in einem Pappkarton zufrieden: „Für Vierbeiner sind unsere Modelle einfach eine schöne Kiste.“ Die Hundebesitzer hingegen freuen sich vielleicht auch hierüber: Auf Wunsch kann das Initial des Hundes, also zum Beispiel ein „B“ für Bello, in die Eingangstür integriert werden.

Für ein weitaus bedrohteres Tier haben Studenten der University of Technology, Business and Design in Wismar schicke Behausungen entworfen – die eher an ein Reihenhäuschen erinnern als an üppige Anwesen im Südstaatenstil. Die Unterkünfte sollen den Spatzen dabei helfen, es sich wieder in den Städten gemütlich zu machen. Deren Bestand ist in den deutschen Bundesländern nach Angaben der Wildtier-Stiftung in den vergangenen 25 Jahren nämlich um 20 bis 50 Prozent zurückgegangen, in Hamburg sogar um 85 Prozent. Und zwar auch, weil moderne Häuser immer weniger Nistmöglichkeiten bieten und auch Sträucher und Hecken aus dem Straßenbild verschwinden. Und damit auch die Insekten, von denen sich die Vögel ernähren. Um den bedrohten Tieren die Rückkehr in die Städte zu erleichtern, hat die Wildtier-Stiftung die jungen Wismarer Studenten um Entwürfe für schicke „Spatzenhäuschen“ gebeten.

Ihre Wohnideen haben die angehenden Innenarchitekten im Januar in Köln präsentiert, auf der Internationalen Möbel- und Designmesse „imm Cologne“. Und zwar auch, um potenzielle Hersteller für ihre Spatzenvisionen zu begeistern – und die Häuschen so tatsächlich auf den Markt bringen zu können. Interesse an den Vogelheimen, für deren Gestaltung sich knapp 60 Studenten in Gruppen die Köpfe zerbrochen haben, sollen auch die Namen der Entwürfe wecken: „Parasit“ heißt eines der Modelle, ein zierliches Reihenhaus mit Spitzdach, das sich mit seinen Saugnäpfen in wenigen Sekunden an eine Fensterscheibe kleben lässt. Deutlich leichter ist der Entwurf von Katharina Voß. Die Erstsemesterin hat aus Tetrapaks und Ikea-Taschen kleine Einmalhäuschen gefertigt, die nach der Benutzung einfach in die gelbe Tonne wandern.

Eine andere Studentengruppe kombinierte ihr Modell „Lichtblick“ mit einer Straßenbeleuchtung. Das Häuschen mit dem Namen „Spatzenpost“ ist hingegen dem klassischen US-amerikanischen Briefkasten nachempfunden.

Schicke und schützende Behausungen gibt es aber auch für eher winzige Tiere: Wenn der nächste Winter so kalt und hartnäckig wird wie der gerade erst zu Ende gegangene, bieten sogenannte „Insektenhotels“ Schutz vor der Kälte. Denn für Bienen, Tagfalter oder Marienkäfer wird es immer schwieriger, in der freien Natur Überwinterungsquartiere und auch Nistplätze zu finden. Weil durch den intensiven Acker- und Gartenbau und den Trend zu sehr aufgeräumte Grünanlagen nicht mehr viele natürliche Schutzräume und Verstecke übrig bleiben.

Insektenhotels machen es den Tieren leichter. Sie werden auch im Garten zu einem Blickfang – vielleicht ja ein paar Meter von der Luxus-Hundehütte entfernt. Dabei sind die Hotels ganz „bio“, bestehen sie doch eigentlich ausschließlich aus Naturmaterialien wie Holz, Stroh, Reisig und Lehm. Und haben häufig eine hübsche Hausform. Eine große Auswahl an aufwendigen „Luxus“-Insektenhotels gibt es fertig zu kaufen. Und wenn sich dann die Schmetterlinge, Bienen oder Marienkäfer in den vielen kleinen Zellen des Bauwerks häuslich einrichten, können nicht nur Ästheten das täglich wechselnde Design bewundern.

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