Zeitung Heute : Playboy und Petrarca

Christoph Amend

Als Joachim Fest dem Psychologen Alexander Mitscherlich vom Plan für ein Reisetagebuch über Italien erzählte, sagte der: „Was für ein lustiger Gedanke, sich aus den Katastrophen des Jahrhunderts geradewegs in die Gefilde der Seligen zu retten.“ Der frühere „FAZ“-Herausgeber Fest, Jahrgang 1926, hat sich wie kaum ein Zweiter mit dem Nationalsozialismus beschäftigt. Und vor 16 Jahren hat er trotz Mitscherlichs Spott seine italienische Reise geschrieben, die nun wieder veröffentlicht wird, mit einem Nachwort von Wolfgang Büscher.

Joachim Fest nennt „Im Gegenlicht“ sein liebstes Buch, es ist in jedem Fall sein persönlichstes. In Skizzen, oft nur ein, zwei Absätze lang, hält er seine Eindrücke fest, und wenn er bemerkt, dass Reisebücher so viel über das Land wie über den Autor verraten, dann gilt das auch hier. Sein grandioses, über 150 Seiten langes Porträt Siziliens etwa speist sich, wie auch Fests Buch „Der Untergang“, aus seiner Faszination für untergehende Mächte. Besucht er den Tempel von Agrigent, fällt ihm ein, dass Albert Speer 1938 dort war, als er für Hitler „Germania“ entwerfen sollte. Fest trifft sich mit Mafiosi und Wissenschaftlern, feiert Feste mit Familien und kommt zum Schluss: „So fern … ist uns dieses sizilianische Wesen gar nicht. Auch die deutsche Mentalität neigt zum Selbstmitleid und kostet ihre Opferrollen aus.“ „Im Gegenlicht“ ist ein anregendes, sehr unterhaltsames Buch über Italien und seine Geschichte – und ein Selbstporträt des ironischen Skeptikers Fest, der beim Besuch einer privaten Bibliothek vergnügt notiert, dass er neben Werken Petrarcas auch „in Leder gebunden, einige Jahrgänge des ,Playboy’“ entdeckt.

Joachim Fest: Im Gegenlicht. Eine italienische Reise. Rowohlt Verlag, Reinbek. 416 Seiten, 22,90 €.

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