Zeitung Heute : Pleiten am Bau: Gute Tat gut verkauft

Ralf Schönball

Tue Gutes - und sprich darüber. Diesem Motto getreu verkaufte der Regierungsdirektor a.D. Rüdiger Greil eine neue Versicherung zur Vorbeugung von Pleiten am Bau. Greil ist deutscher Generalbevollmächtigter der niederländischen "SGWN Garantieversicherungen". Sie bieten Bauträgern eine "Vollkasko-Versicherung gegen Baupleiten" an. Ein gutes Geschäft: Über 100 Unternehmen haben die Police und werben damit Immobilienkäufer. Die Kunden der so abgesicherten Bauträger wiegen sich in Sicherheit, denn die Immobilie wird ihnen zum vereinbarten Preis mangelfrei und mit fünf Jahren Gewährleistung auch dann übergeben, wenn ihr Vertragspartner in Konkurs geht.

Nein, als Werbung wolle er diese Runde im Bundespresseamt nicht missverstanden wissen, sondern als "Apell, dass solche Versicherungen auf den Markt kommen." Zudem sei die SGWN nicht "eine Art Gütesiegel" für Bauunternehmen, wie ein Kollege mutmaßte, sondern "wir sind ein Gütesiegel!" bleute ihm Greil ein. Überhaupt, dass die Gesellschaft bei Kosten von nur 1,5 Prozent des Umsatzes, diese Sicherheit gewährleisten könne, davon habe man auch das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen nur mit Mühe überzeugen können. Und natürlich arbeite man eng mit der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherschutzverbände zusammen. Ja, wer Greils Ausführungen lauschte, hatte bald vergessen, dass hier ein Geschäftsmann sein Unternehmen vorstellte - und kein Wohltäter seinen schützenden Mantel über die Schultern betrogener Bauherren wirft.

Nun ist beileibe nicht alles schon deshalb schlecht, weil damit Geld zu verdienen ist. Tatsächlich zeigte jüngst der Konkurs von Bastbau, dass sogar etablierte Unternehmen in diesen Zeiten rückläufiger Baukonjunktur Pleite gehen können. Gab aber ein Familienvater sein Eigenheim bei einem späteren Pleitier in Auftrag, dann sind die Folgen oft verheerend: Bereits bezahltes Geld wird Teil der Konkursmasse, und die Baustelle steht einstweilen still. Das kostet Geld, weil die Zinsen für den Baukredit weiter laufen, und die alte Wohnung kostet Miete. Zudem muss der Bauherr neue Handwerker finden, und diese übernehmen Restarbeiten meist nur zu höheren Preisen. Gegen Unbill wie diese leistet die Versicherung Schutz.

Dabei bekommt der Bauherr von der Versicherung ein Zertifikat darüber, dass sein Vertragspartner, der Bauträger, die Versicherung abgeschlossen hat. Fällt der Bauträger aus, zieht der Bauherr diese Karte - und die Versicherung muss sein Haus zu Ende bauen. Die ersten Schadensfälle waren schon zu regulieren: "Wir sitzen auf 15 Häuser", sagt Greil. Ein Versicherungsnehmer der SGWN habe den ausführenden Firmen nicht eine Mark bezahlt. "Versicherungsbetrug" nennt es der ehemalige Staatsbedienstete, und man hört seinen Groll auf den Schädiger heraus. Bei einem zweiten Schadensfall erkrankte der Bauunternehmer schwer, da folgte der Konkurs seiner Firma binnen weniger Monate. Noch einen dritten Fall gebe es, aber dies stehe im Verhältnis bei 100 Kunden mit einem versicherten Bauvolumen von rund drei Milliarden Mark.

Zudem sei das eigene Risiko durch eine "Rückversicherung" abgedeckt. Käme eine Lawine von Schadenfällen und die SGWN könnte die Folgekosten nicht tragen, dann käme der Gerling-Konzern dafür auf. Da dieser wiederum Gebühren vom niederländischen Versicherer verlangt, und sie erhöht, wenn viele Schäden eintreten, ist die SGWN selbst an der Solidität seiner Versicherungsnehmer interessiert. Daher steht vor der Aufnahme in den Kreis der Police-Besitzer eine "Durchleuchtung" des Unternehmens: Der Versicherer fällt über die Geschäftsergebnisse der vergangenen Jahre her und Ingenieure prüfen die Bauqualität fertiggestellter Projekte. Den Test bestehen 30 Prozent aller Antragsteller in den alten und vierzig Prozent in den neuen Ländern nicht. Die Bast-Bau, so war herauszuhören, zählte zu den abgelehnten Kandidaten.

Wer die Prüfung besteht, zahlt je nach Liquidität zwischen 1,4 und 1,7 Prozent der Bausumme einmalig, wobei jedes Projekt einzeln versichert wird. Verliert ein Bauträger in Folgejahren den Versicherungsschutz, dann haftet die SGWN weiter für die zuvor versicherten Projekte. Die Haftung erstreckt sich über die Bauphase und weitere fünf Jahre nach Fertigstellung für Bauschäden.

Also ist Greil mit sich und der Welt im Reinen, zumal auch Banken großes Interesse an dem seit eineinhalb Jahren feilgebotenen Produkt hätten. Musste einst manches Kredithaus Bauabteilungen öffnen, um Altlasten aus dem Markt verschiedener Entwickler zu bewältigen, könnten diese Zeiten nun, Versicherung sei dank, der Vergangenheit angehören. Da das Geschäft brummt - rein rechnerisch erwirtschafteten die 19 SGWN-Mitarbeiter 45 Millionen Mark -, rechnet der Generalbevollmächtigte Ex-Beamte schon bald mit Nachahmern. Dabei habe die Ausarbeitung des Vertragswerkes doch "viele Nächte" Arbeit und ach so viele Abstimmungen mit Fachanwälten erfordert. Da wäre bei den in Sarkasmus geübten Berichterstattern fast so etwas wie Mitleid aufgekommen.

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