Zeitung Heute : Plissierte Vielfalt

Der Modedesigner Merch Mashiah verkauft seine fein gefälteten Entwürfe in der Leibnizstraße

Grit Thönnissen

Bei Merch Mashiah steht der Frühling schon in voller Blüte. Große Zweige mit rosafarbenen Magnolien zieren das Geschäft des Modedesigners in der Charlottenburger Leibnizstraße 56, nahe dem Kurfürstendamm. Hier wird heute und morgen die Wiedereröffnung nach einer Runderneuerung des Showrooms und die Einführung der Frühjahrs/Sommer-Kollektion gefeiert.

Und die steht der Ladendekoration in nichts nach: Puristen, die nach unauffälligen Basics suchen, könnten sich hier fehl am Platz fühlen. „Ich spiele gern“, sagt der aus Israel stammende Designer. Nicht von ungefähr ist sein Lieblingsmaterial plissierter Stoff in jeder Spielart.

Die permanent eingeprägten Falten geben vielen Kleidungsstücken etwas Skulpturales – so wie der fein gefälteten Jacke mit gleich vier Kragen, die sich wie Blütenkelche ums Dekolleté legen. Oder ein Mantel, der aussieht wie ein ausladendes Korallenriff: Der Stoff wurde mit Hilfe von Wärme und Druck in abstehende Noppen gelegt. Ein in vielen Farben changierender Mantel mit breitem Kragen und weiten Ärmeln erinnert ein wenig an ein Kostüm aus dem Kinofilm „Star Wars“. Was kompliziert klingt, ist in der Handhabung ganz einfach: Fast alle Teile kann man in der Waschmaschine waschen, sie sind bügelfrei und lassen sich im Koffer klein zusammenlegen.

Trotzdem sei es nicht immer ganz einfach, seine deutschen Kunden für seine auffällige Mode zu begeistern, so Mashiah. Deshalb hängt auch Zurückhaltendes in seinem Laden: kleine schwarze Tops, schmale Kleider mit angesetzten Trägern und offene Bolerojäckchen, die Merch Mashiah inzwischen in über 50 Farben anbietet, sowie Accessoires wie Schals und Armstulpen.

Merch Mashiah kann die Skepsis der Deutschen allem Opulenten gegenüber inzwischen mit Gelassenheit nehmen. International verkauft sich seine Mode ganz hervorragend: Vor fünf Jahren begann er, seine Kollektionen in New York zwei Mal im Jahr auf der Modemesse „Atelier“ zu zeigen. Und das mit durchschlagendem Erfolg: Heute kann man seine Plisseeteile in fast jeder größeren Stadt der USA kaufen. Immerhin hängen seine Sachen auch im noblen New Yorker Kaufhaus Bergdorf Goodman.

Die Amerikaner scheinen seine Entwürfe also zu mögen. So sehr, dass Merch Mashiah nach eigenem Bekunden aufpassen muss, nicht an zu vielen Orten vertreten zu sein, damit die Leute seiner Mode nicht irgendwann überdrüssig werden. Aber nicht nur in den USA kann sich Mesh Mashiah über mangelndes Interesse nicht beklagen. Er verkauft seine Sachen fast in die ganze Welt: Von Dänemark bis in die Türkei, von den Arabischen Emiraten bis nach Brasilien. Trotz des internationalen Erfolgs denkt Merch Mashiah noch nicht einmal darüber nach, Berlin zu verlassen. „Hier kann ich in Ruhe an meiner Kollektion arbeiten und es lebt sich doch gut hier.“ Aber zeigen, was er alles zu bieten hat, möchte er auch hier in seinem neu gestalteten Showroom.

Merch Mashiah ist nicht der einzige Modedesigner, der seinen Showroom im Westen Berlins hat. Denn auch wenn inzwischen viele junge Modelabel ihr Domizil im Osten der Stadt und dort vorzugsweise in Mitte aufgeschlagen haben, auch rund um den Kurfürstendamm gibt es erfolgreiche Designer, die ihre eigenen Kollektionen präsentieren. Anna von Griesheim, die vor allem mit eleganten Abendentwürfen von sich Reden macht, hat ihr Atelier in der Pariser Straße 44. Für die Wagner-Festspielen in Bayreuth im vergangenen Jahr kleidete sie die Bundeskanzlerin Angela Merkel ein.

Und die beiden Designer von Unrath & Strano haben von ihrem Atelier auf dem Kurfürstendamm längst die internationalen Laufstege erklommen: Immerhin sind ihre Entwürfe jede Saison bei den Prêt-à-porter-Schauen in Paris zu sehen.

Auch die Designerin Janet Knaack, die ihre Kunden nun schon seit über 13 Jahren mit ihrer sachlich zurückhaltenden, aber durchaus eleganten Mode versorgt, hat sich vor kurzem einen Tapetenwechsel gegönnt. Sie zeigt ihre Kollektion jetzt in großzügigen Räumen in der Carmerstraße 8 in Charlottenburg.

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