Zeitung Heute : Plötzlich Prinz

Monacos neuer Herrscher mag 17 Sportarten und Männer vielleicht lieber als Frauen. Das ist, was man über Prinz Albert zu wissen meint. Aber dahinter steckt ein Banker und Modernisierer

Sabine Heimgärtner[Paris]

Manchmal ist Monacos Kronprinz ein wenig moppelig. Die Stirn wird immer höher, und eine Prinzessin hat er auch noch nicht gefunden, was regelmäßig das Gerücht wiederkehren lässt, er möge Männer lieber als Frauen. Er fährt auch Bob. Im Winter 1986 hatte er sich an der berühmten Bobschule in Innsbruck-Igls eingeschrieben, nachdem er sich für etwas mehr als 10000 Euro bei Meister Sergio Siorpas in Cortina einen Zweierschlitten hatte anfertigen lassen. Dann trainierte er für Olympia. In Calgary wird er 25., in Albertville 43., in Lillehammer 31. und in Nagano 28. Er ist jetzt 47 Jahre alt und geht gerne mit Models aus. Das also ist der Mann, wie man ihn aus den Zeitschriften kennt. Nicht Prinz, mehr royaler Partyhopper. Das ist der Mann, der jetzt das berühmteste Fürstentum der Welt leitet.

Am Donnerstagabend hatte der monegassische Kronrat verkündet, dass Albert die Amtsgeschäfte des Vaters, Fürst Rainier, übernommen habe. Der 81-Jährige stirbt. In der vergangenen Woche war er in die Intensivstation der Herz-Lungen-Klinik von Monaco eingeliefert worden – Rückfall nach einer schweren Lungenentzündung. Es gebe nur noch wenig Hoffnung, hieß es am Freitag. Man sah Bilder, wie die Familie niedergedrückt aus der Klinik kommt, Albert hat beide Arme um die Schwestern gelegt.

Man weiß die unmöglichsten Details aus dem Leben dieses Mannes. Bei einer Champagner-Firma hat er mal gearbeitet. Einen Vaterschaftstest hatte er machen müssen, um zu beweisen, dass er nicht der Vater des Kindes von Schauspielerin Bea Fiedler war. 17 Sportarten betreibt er. Was man über Albert Alexandre Louis Pierre, Marquis de Baux, geboren am 14. März 1958 und begrüßt mit 101 Salutschüssen, selten hört: Er ist mehr als Sportsmann und Gesellschaftsliebling, Etikett „begehrtester Junggeselle“. Er hat schon vor langer Zeit begonnen, sich auf die Thronfolge vorzubereiten.

Mit 16 nahm er erstmals an einer Sitzung des monegassischen Nationalrats teil, und ehrlich, wie er ist, gab er damals zu, er wisse zwar, was auf ihn zukomme, hätte sich aber eine andere Karriere gewünscht: als Regisseur, Lehrer oder Sportler. Albert sei schüchtern, heißt es. Während die Schwestern in schönen Kleidern und mit schönen, bisweilen fragwürdigen Männern (Rennfahrern, Leibwächtern, Zirkusartisten und prügelnden Prinzen) fast täglich fotografiert wurden, entschlüpft der Sohn zunächst. Er geht nach Amerika, ans Amherst College, er lernt mehrere Sprachen, er macht, ganz solide, eine Banklehre – ein guter Sohn. Nur dass er immer noch nicht verheiratet ist, hat dem Vater lange Kopfschmerzen bereitet. Um zu verhindern, dass sein kleines Reich zurück an Frankreich fällt, wie es bei einem kinderlosen Fürsten der Fall gewesen wäre, änderte er deshalb vor drei Jahren das 700 Jahre alte monegassische Erbfolgegesetz. Sollte Albert kinderlos bleiben, fällt die Krone nun an den ältesten Sohn von Prinzessin Caroline, und das Reich bleibt erhalten.

Der Zauber, der jahrzehntelang vom winzigen Fürstentum ausging, wird unter Alberts neuen Regenten mit Sicherheit verblassen. Albert hat nicht die Strahlkraft seines Vaters und der Mutter, Gracia Patricia, die mal Grace Kelly hieß und Hollywoodschauspielerin war. Es zeichnet sich ein drastischer Generationenwechsel ab im Miniatur-Reich, das mehr bunte Schlagzeilen machte als irgendein anderer Staat: der tragische Unfalltod von Grace Kelly und die unglücklichen Affären der Töchter Stephanie und Caroline, Luxus, High Society, Formel 1, Rotkreuzball und Zirkusfestival. Albert Grimaldi wird das märchenhafte Image, das sein Vater etabliert hat, nicht konservieren wollen. Er gilt als Modernisierer. „Es wird ein großes Stück Arbeit sein, Monaco attraktiver zu machen“, hat er vor einiger Zeit in einem „Focus“-Interview gesagt, auf die Frage, was er ändern würde, wenn er an die Macht kommt. Denn: Als bloßer Spiel-Ort könne Monaco nicht überleben. „Früher verkaufte Monaco sich von selbst, brauchte keine Reklame. Im heutigen Weltmarkt aber konkurrieren wir nicht mehr mit Cannes oder Nizza, sondern mit der ganzen Welt.“ Und so steht er schon lange dem Komitee in Sachen Tourismusberatung vor und einer Denkfabrik, die an der Zukunft des Landes arbeitet.

Mit Albert an der Spitze werde das inzwischen recht antiquierte Fürstentum Monaco zu einem modernen Mini-Staat, sagen Experten. Zwei Quadratkilometer Staat, 32000 Einwohner – dies soll Europas neuer Finanzplatz werden, Zentrum für Vermögensverwaltung. Wenn Albert drankommt, würden endlich junge Leute als Berater in der Regierung eingesetzt. Dann bricht ein neues Zeitalter an.

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