Zeitung Heute : Pluspunkte sammeln

Bei den Personalchefs zählen die Noten – und viele andere Fähigkeiten

Harald Olkus

Ausbildungsplätze sind Mangelware, auch in diesem Jahr wird die Zahl der Schulabgänger, die eine Lehrstelle suchen, wieder deutlich höher sein als die Zahl der angebotenen Plätze. Doch gleichzeitig klagen Berliner Unternehmen, dass sie enorme Probleme haben, ihre freien Lehrstellen zu besetzen. Vor allem bei Banken und Versicherungen sowie der Gastronomie ist dies der Fall. Die Kenntnisse der Bewerber seien mangelhaft, lautet die am häufigsten vorgebrachte Beanstandung: Zum einen seien es fehlende kognitive Fähigkeiten wie Rechnen, Schreiben, Lesen. Zum anderen mangele es an Motivation, gutem Auftreten und sozialer Kompetenz, sagt die Bildungsexpertin der IHK Berlin, Anja Nußbaum.

Während sich schulische Versäumnisse nicht ohne weiteres in wenigen Wochen nachholen lassen, können Bewerber mit Leistungsbereitschaft und sozialer Intelligenz aber wichtige Pluspunkte sammeln. Denn diese Fähigkeiten werden von den Unternehmern bei den Bewerbungsgesprächen immer stärker abgeprüft. „Hintergrund ist die hohe Abbrecherquote bei den Auszubildenden“, sagt Anja Nussbaum. Fragen wie: „Warum wollen Sie gerade bei uns anfangen?“ müssen die Bewerber also überzeugend beantworten können.

Bevor man eine Bewerbung wegschickt, sollte man in sich gehen und einige Fragen für sich beantworten: Womit würde ich mich im Beruf am liebsten beschäftigen? Welche Art von Arbeit reizt mich überhaupt nicht? Wie sollte ein Arbeitsplatz aussehen, an dem ich mich wohl fühle? Und: Wo möchte ich möglichst nicht arbeiten? „Vor allem in der Gastronomie haben viele Berufsanfänger Probleme mit den Arbeitszeiten am Abend und am Wochenende“, sagt die Bildungsexpertin der IHK.

Schulnoten sind für die Unternehmen ein wichtiges Indiz für die Leistungsbereitschaft und Intelligenz des zukünftigen Mitarbeiters. „Und beides ist so wichtig wie nie, denn die Anforderungen im Berufsleben sind höher geworden“, sagt Anja Nussbaum.

Die Noten sind aber nur eine Momentaufnahme der Stärken und Schwächen des Bewerbers. Fertigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen, die man sich außerhalb der Schule angeeignet hat, können eine schlechte Schulnote unter Umständen ausbügeln. Wichtig ist jedoch, dass man sich der Schwachstellen in seiner Biografie bewusst ist und glaubhafte und schlüssige Erklärungen dafür parat hat: sei es ein Sitzenbleiben in der Schule oder eine „Null-Bock-Phase“ zwischen Schule und Ausbildung. Im Bewerbungsgespräch wird man sicher darauf angesprochen. Man kann aber mit möglichst vielen Fakten und Beispielen seine bisherigen Erfahrungen, Stärken und seine Leistungsbereitschaft deutlich machen.

Positiv verbucht wird von den meisten Unternehmen auch, wenn der Bewerber den persönlichen Kontakt aufnimmt und nicht nur die Bewerbung zur Post bringt. Ein Telefonat, mit dem man sich vergewissert, dass die Unterlagen auch angekommen sind, kann bei der Beurteilung ein wichtiges Detail sein.

Das Interesse eines Bewerbers am betreffenden Unternehmen gilt für die Personalchefs ebenfalls als entscheidendes Merkmal. Der Bewerber sollte sich also so viele Informationen wie möglich über den Berufszweig und das Unternehmen besorgen – etwa beim Berufsinformationszentrum (BIZ) oder der für den jeweiligen Beruf zuständigen Kammer. Unternehmen wie die AOK und die Bewag zum Beispiel informieren auf ihrer Website über Ausbildungsplätze, Bewerbungsfristen, die Form der Bewerbung und, bei der AOK auch, wie man es am besten anstellt.

Doch in den meisten Fällen sollte man sich nur bei denjenigen Unternehmen online bewerben, die dies in der Stellenanzeige ausdrücklich anbieten und gar fordern. Denn viele Betriebe klagen darüber, dass die inhaltliche und grafische Qualität von „schnell mal“ online versendeten Bewerbungsunterlagen oft schlechter ist als die von Anschreiben und Lebensläufen, die für den Postversand erstellt wurden.

Auch auf den „Tagen der Berufsausbildung“ in Tempelhof gibt es Infos:

9 Uhr 30 – 12 Uhr. Tipps für Bewerbungen. Einzel- und Gruppenberatung von Schülern durch Ausbilder aus Betrieben.

12 Uhr 30 – 13 Uhr. Informationen über den virtuellen Arbeitsmarkt. Die Landesagentur für Arbeit Berlin-Brandenburg präsentiert ihren neuen Arbeitsmarkt im Internet.

13 Uhr – 14 Uhr. Kein Ausbildungsplatz – was nun? Informationen für Schüler, Eltern und Lehrer über schulische Ausbildungsgänge an Berufs- und Berufsfachschulen sowie Ausbildungsprogramme des Bundes und der Stadt Berlin.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar