Zeitung Heute : Plymouth: 1929 Chryslers Bestseller

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Nachdem die Nummer Eins unter den amerikanischen Herstellern, General Motors, erst vor wenigen Monaten ihre Traditionsmarke Oldsmobile hat einschlafen lassen, endete jetzt beim amerikanischen DaimlerChrysler-Zweig Chrysler mit Plymouth nach 74 Jahren eine weitere einst sehr erfolgreiche amerikanische Marke. Sie war 1928 von Chrysler gegründet worden - vier Jahre nachdem Walter P. Chrysler mit dem Chrysler Six sein erstes Auto mit eigenem Namen auf die Räder gestellt hatte.

Und noch zwei weitere Marken kamen in diesem Jahr dazu: De Soto als weitere Neugründung und die dazugekaufte Marke Dodge. Für seine fortan vier Marken schuf Chrysler auch gleich eine klare Hierarchie. So war Plymouth fortan Chryslers preisgünstige Einstiegsmarke, dann folgte De Soto, nächste Stufe war Dodge und die Spitze bildete Chrysler mit den Imperials als Topmodellen - eine komplette Modellpalette in allen Klassen, mit der Chrysler zu einem ernsthaften Konkurrenten von General Motors und Ford avancierte.

Schon 1929 war Plymouth die Bestsellermarke von Chrysler und sie trug mit dazu bei, dass das Unternehmen trotz des Zusammenbruchs von Wall Street im Oktober und der folgenden Weltwirtschaftskrise diese Krisenjahre überwand, wobei Dodge und De Soto ihre Ränge tauschten. Plymouth gelang es, bereits 1932 hinter Ford und Chevrolet drittmeist verkaufte USA-Marke zu werden und blieb bis weit in die 50er die zahlenmäßig größte Marke des Konzerns. So entstanden im Modelljahr 1957 rund 760 000 Plymouth, während es Dodge gerade einmal auf 290 000 Fahrzeuge brachte.

Bereits 1961 gab Chrysler die Marke De Soto auf. Und knapp zwei Jahrzehnte später hatten sich die Gewichte dann endgültig verschoben und mit 404 000 Fahrzeugen überholte Dodge 1979 die Marke Plymouth, die es auf nur noch 372 000 Exemplare brachte. Es war eines der ganz großen Krisenjahre von Chrysler. Die Verkaufszahlen in den USA waren ständig zurückgegangen. Soeben erst hatte Chrysler sein 1958 begonnenes Engagement in Europa - Kauf von 25 Prozent der Simca-Anteile und die komplette Übernahme 1964 und Erwerb der britischen Rootes-Gruppe - durch Verkauf an Citroën-Peugeot wenig erfolgreich beendet. Dem Unternehmen drohte der Bankrott.

Da riss der von Ford entlassene und von Chrysler eingestellte Lee Iacocca in letzter Sekunde das Steuer herum, brachte das Unternehmen binnen weniger Jahre wieder auf Erfolgskurs und machte es schon bald zu einem Trendsetter in Design und Technik. Mit an der Wiedergeburt beteiligt war auch die Marke Plymouth, denn die frontgetriebenen K-Modelle Dodge Aries und Plymouth Reliant trugen vom Modelljahr 1981 an entscheidend dazu bei, Chrysler aus der Krise zu bringen.

Unter dem Plymoth-Markenzeichen erschien dann 1984 in den USA - übrigens zeitgleich mit dem Renault Espace in Europa - der erste amerikanische Minivan, der binnen weniger Jahre eine völlig neue Fahrzeugklasse etablierte. In Europa trat der Plymouth Voyager allerdings von Beginn an als Chrysler Voyager auf - und das trotz eines unverkennbaren Dodge-Gesichts bis zum Modelljahr 2000, denn in den USA wurde er bald zum Dodge Caravan. Letztes Plymouth-Modell neben dem eigenwilligen Prowler war der Neon, den es künftig nur noch als Chrysler und Dodge Neon geben wird.

Aber es gab nicht nur Abmeldungen bei den Chrysler-Marken. Denn 1988 übernahm Chrysler von Renault die American Motors Company mit den Marken Jeep und Eagle. Während Eagle 1998 gestrichen wurde, etablierte sich Jeep längst als eine der wichtigsten Säulen des Chrysler-Programms.

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